Donnerstag, 29. November 2007

Wir heiraten im Ausland

B"H

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und obwohl in Israel die Zeit ebenso nach dem jüdischen Kalender berechnet wird, ist es trotzdem wieder an der Zeit für Statistiken.

Jedes Jahr heiraten 5500 Israelis im Ausland, so die kleine statistische Mitteilung heute.

Aha, werden jetzt viele denken; 5500 Israelis heiraten also außerhalb, weil sie einen nichtjüdischen Partner haben. In Israel werden keine Zivilehen geschlossen, es sei denn, man kauft irgendwelche Heiratsformulare bei diversen Botschaften wie Paraguay usw.

Weit gefehlt, denn nur 23% der im Ausland geschlossenen Ehen werden von Nichtjuden geschlossen. Aber auch hier unterteilt sich die Gruppe nochmals. Viele der 23% sind aus den Ostblockstaaten nach Israel eingewandert und beide Partner sind keine halachischen Juden. Oder zumindest einer davon ist es nicht. Eine weitere kleine Gruppe sind diejenigen gebürtigen Israelis, die einen nichtjüdischen Partner heiraten wollen.

Mindestens 75% der Israelis, welche die Ehe im Ausland eingehen, tun dies aus Fun und sind halachische Juden. Zypern und Prag stehen bei den Eheschliessungen ganz hoch im Kurs. Man will die Hochzeit gleich mit den Flitterwochen verbinden. Nachher tun sich jedoch manche schwer, die Ehe vom israel. Innenministerium anerkennen zu lassen und laufen offiziell weiter als Single.

Wer als jüd. Israeli in Israel heiraten will, dem steht nach wie vor der Gang aufs Rabbanut (Oberrabbinat) bevor. In Jerusalem ist das die bekannte Rabbanutfiliale in der HaChavazelet Street, gleich gegenüber dem Zion Square. Zur Eheanmeldung wird ein Personalausweis, der Nachweis der Jüdischkeit sowie eine Gebühr verlangt. Nachgeprüft wird selbstverständlich auch, was bei gebürtigen Israelis eh nur eine geringe Prozedur ist.

Anders dagegen bei den Heiratswilligen aus dem Ausland. Von ihnen werden zusätzliche Papiere verlangt. Unter anderem eine Bestätigung des deutschen Einwohnermeldeamtes, dass derjenige in Deutschland oder anderswo nicht verheiratet ist. Sollte er geschieden sein, müssen die Scheidungspapiere mit eingereicht werden. Es versteht sich von selbst, dass die Scheidung halachisch erfolgt sein muss. Mit Beit Din (rabbinischem Gericht) und allem, was dazu gehört. Ansonsten gilt die Ehe nicht als geschieden und das Rabbanut genehmigt keine erneute Hochzeit. Aber das weiss jeder selbst, wenn er sich zum Rabbinat begibt.

Des Weiteren benötigen ausländische Ehepartner oft einen Brief ihres Rabbis aus der jeweiligen ausländischen Gemeinde. Auf dieses Papier kann aber in vielen Fällen verzichtet werden. Schwieriger wird es da schon bei Konvertiten, die ihren Giur (Konversion) im Ausland machten und nicht in Israel. Bei ihnen kann sich das Verfahren in die ewige Länge ziehen, denn es wird nachgeforscht. Seit ein paar Jahren hat das Oberrabbinat eine extra eingerichtete Abteilung zur Prüfung der halachischen Jüdischkeit. Auf diesem Wege soll gekauften oder gefälschten Papieren auf die Schliche gekommen werden. Hierzu kann ich nur sagen, dass heutzutage gefälschte Papiere kaum noch etwas nützen. Das Jerusalemer Oberrabbinat kennt seine Pappenheimer und andererseits auch diejenigen Rabbiner, welche berechtigt sind, einen Giur durchzuführen. Die jüdische Welt ist klein und jeder kennt jeden.

Vor einigen Jahren lernte ich die Materie des Rabbanutes sehr gut kennen als ich mich offiziell über einen in Deutschland tätigen Rabbiner beschwerte, der Zertifikate verkaufte, um sein Gehalt aufzubessern. Während meiner Gespräche beim Rabbanut legte man mir eine weitere Liste mit Namen diverser Rabbiner vor, die genauso viel Dreck am Stecken haben. Ob ich die auch kennen würde ?

Eine Ausnahme bei dieser Materie bilden diejenigen Partner, die beide konvertiert sind. Rassistisch betrachtet muss ich hierbei anmerken, dass es dem Rabbanut in solchen Fällen oft egal ist, wer da heiratet. Man ist recht lax bei der Nachforschung, wohingegen der Fall strenger gerichtet wird, wenn der Konvertit einen gebürtigen Juden heiratet.

Viele werden diese ganzen Regelungen mit Kopfschütteln beantworten, doch für das jüdische Israel ist die Regelung wichtig. Ansonsten hätten wir hier nichthalachische Katastrophen herumlaufen und im Endeffekt wüßte niemand mehr genau, wer Jude ist und wer nicht. Ich selbst will schon wissen, wen ich heirate, um nicht hinterher zu erfahren, dass jemand gar kein halachischer Jude ist. Man muss nicht unbedingt relig. sein, um dem zuzustimmen. Ich kenne alle möglichen Leute, für die das genauso wichtig ist und wer darauf keine Lust hat, der soll halt ins Ausland fahren.

Meinerseits ist jede geschlossene "Mischehe" eine einzige Katastrophe, wenn der Ehepartner nicht konvertiert. Im Judentum besteht eine Ehe nicht nur wegenirgendwelchen körperlichen Beweggründen, sondern beide Partner sollten auch seelisch miteinander verbunden sein. Und dem Judentum zufolge (siehe Talmud und Kabbalah) haben nur zwei jüdische Partner die gleiche Seele, genauso wie zwei moslemische Partner oder zwei christliche Partner die gleiche Seele haben.

Mittwoch, 28. November 2007

Die Leidenschaft des "Nummerziehens"

B"H

Egal, ob auf dem Amt oder der Stadtverwaltung; in Israel ist jeder Besucher gezwungen, eine Nummer zu ziehen.
Reinkommen, Nummer ziehen, hinsetzen, Klappe halten und warten.

Seit Neuestem hat es auch die Banken erwischt. Heute früh ging ich kurz auf die Bank und fand mich beim Eintritt in einer riesigen um sich schreienden Warteschlange wieder. Meistens sephardische Israelis, was die Schlange erst richtig zum rasen brachte. Eine Frau mit offensichtlich marrokanischen Vorfahren schrie, dass die Israelis nichts weiter als Müll seien. Der Rest stimmte ihr zu.

Zuerst dachte ich, die Bank streike wieder, doch dann kam ein Angestellter schnurstracks auf mich zu und fragte, ob ich meine Nummer dabei habe. "Nummer" ? Anscheinend schaute ich so verdutzt drein, dass er mich zu einem nagelneuen kleinen Metallautomaten schleifte und mir die Tastatur erklärte. "Und hier erst die Personalausweisnummer eingeben, dann bestätigen und dann tippen, was man eigentlich will". Schwupps, kam ein kleiner Zettel mit der Nummer 12 heraus. Zielstrebig rannte der Angestellte, der sich als Filialleiter entpuppte, auf den nächsten Kunden zu.

Ich wollte nur etwas einzahlen und reihte mich in die neue Warteschlange ein. Über den Köpfen der Angestellten befanden sich neue Monitore, auf denen Werbung lief und die Nummern angezeigt wurden. Allerdings fehlte es den Angestellten noch an der Bedienungserfahrung und so drückten sie munter auf falsche Nummern. Mal vorwärts, dann wieder rückwärts. Die Kundschaft schrie, wann es denn hier endlich weitergehe und die Marokkanerin wiegelte alle erst richtig auf.
Der Filialleiter zog sich in sein Back Office zurück und die Angestellten kämpften weiter mit der neuen Nummerntastatur.

Nummer 5, Nummer 6, dann auf einmal Nummer 4, dann B 1, B 3.
Die Kundschafte flippte fast aus und rief den Angestellten Flüche zu.

Endlich Nummer 12 und ich war an der Reihe. Ich rannte auf einen Schalter zu, doch da sagte man mir, dass sie Nummer 13 wollen. Nummer 13 dagegen war ja noch gar nicht auf dem Monitor aufgerufen. "Du bist 12 und musst woanders hin", lautete die Absage an mich. Ich fand die Tussi, die Nummer 12 (mich) erwartete. Ich fragte sie, was das denn für ein neues Chaos sei und sie meinte, wieso, sei doch alles toll so. Das Wartechaos wäre Dank der Nummern abgeschafft.

Abgeschafft ?
Die Marokkanerin marschierte frustriert auf den Ausgang zu und hinter mir brüllte die Menge, da schon wieder falsche Nummern auf den Monitoren erschienen waren.
Gut, dass ich nur selten einen Bankschalter aufsuche.

Kiwusch - Besetzung ?

B"H

Frieden, Normalität, Opfer bringen …genau jene Worte hören wir dieser Tage ständig. Egal, wo wir uns befinden und ob wir es hören wollen oder nicht. Je mehr wir hören, desto besorgter sind wir. Wir sind besorgt um unser Land, unsere Sicherheit und unsere Hauptstadt.

Die linke Presse hetzt gegen die Rechten und deren angeblicher Panikmache. Welche Panikmache, wenn sogar israel. Sicherheitsexperten vor den Olmert - Plänen beim Annapolis - Gipfel warnen. Dabei ist es schon fast unerheblich, ob paläst. Häftlinge freikommen oder nicht, aber eine Aufgabe Samarias wird als Katastrophe betrachtet.
Olmert gibt in den USA Pressekonferenz und zur gleichen Zeit fliegen Kassam - Raketen auf die Negev - Stadt Sderot. Die Hamas in Gaza bleibt weiterhin im Kriegszustand und droht mit Attentaten.

Falls Samaria aufgegeben werden würde, könnten die Kassam - Raketen demnächst auch auf Netanya, Kfar Saba oder Tel Aviv niedergehen. Wo bleibt da der Frieden ?
Und die Teilung Jerusalems steht für die überwiegende Mehrheit der Israelis gar nicht zur Debatte.

Wider jeglicher Realität, träumt Olmert euphorisch vor sich hin und sieht sich schon insgeheim in die Geschichtsbücher eingehen. Abu Mazan dagegen verbreitet einen Optimismus ganz anderer Art. Stolz verkündet er, dass er kein kleines Stück Jerusalem haben wolle, sondern alles. "Und das kriegen wir auch", so seine Worte.
Wer auf die Wortwahl Mazens schaut, dem fällt sofort auf, dass sich nichts geändert hat. "Kiwusch, Kiwusch, Kiwusch - Besetzung, Besetzung, Besetzung". Schluß mit der israel. Besetzung palästinensischer Gebiete.

Welche Besetzung fragen wir uns ?

Wer hat doch gleich im Juni 1967 Israel angegriffen und den Krieg verloren ?

Juden besiedelten das Land schon vor Tausenden von Jahren, wo es noch gar keine Palis oder den Islam gab. Um die Gebietsansprüche aufrecht zu erhalten, behaupteten die Palästinenser, die eigentlichen Nachfolger der antiken Philister zu sein. Dies jedoch stellte sich als historische Fehlkalkulation heraus, kamen doch die Philister aus Griechenland. Schnell wurde umgeschwenkt und man behauptete, von den Kanaanitern abzustammen. Was aber bitteschön ist dann mit Ishmael, dem ersten Sohn Avrahams mit der Sklavin Hagar ? Wenn die Moslems sich als Ishmaeliten betrachten, dann können sie nicht gleichzeitig Kanaaniter sein ?
Was stimmt da jetzt nicht ?
Macht nichts, darüber denkt ja eh niemand genauer nach. Weder Olmert, noch Abu Mazan, noch Bush.

Den Frieden sehen wir noch lange nicht kommen, obwohl ihn sich jeder wünscht. Auf alle Fälle kommt er dann nicht, wenn eine Seite (Israel) auf alles verzichtet, um der anderen (Palästinenser) Gebiete anbietet, die sich später als Terrorquellen entpuppen. Siehe den Fall Libanon und die Hizbollah.

Morgen wird Olmert in den israel. Alltagstrott zurückkehren. Hier warten ganz andere Dinge auf ihn. Nämlich Anklagen wegen Unterschlagungen, Bestechungen, der Winograd - Abschlussreport und aufgebrachte Parteigenossen, die sich wütend fragen, was er da in Annapolis eigentlich von sich gibt.

Montag, 26. November 2007

Düsseldorfer Filmfestival "Jüdische Welten"

B"H

Sonderprogramm zum Filmfestival "Jüdische Welten" 08. bis 13. Dezember 2007



Zum 3. Mal findet die von Erika Rubinstein für die jüdische Gemeinde Düsseldorf kuratierte Filmwoche statt. Von einer Ausnahme abgesehen laufen die Filme erstmals in Deutschland.

Auch dieses Jahr wird es Diskussionen nach den Filmen geben - mit Regisseuren, Schauspielern und Wissenschaftlern. Vor, nach und in den Pausen wird man kleine Köstlichkeiten probieren können. Und sonst trifft man sich, diskutiert und genießt die Zeit.
Gefördert von: American Jewish Joint Distribution Committee, Chais Family Foundation, Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.











Weitere Details erfahrt Ihr hier:http://www.duesseldorf.de/kultur/filmmuseum/aktuelles/aktu_index.shtml

Das Filmangebot schaut sehr vielfaeltig aus und es ist immer besser, sich einen guten Film anzuschauen als draussen in der Kaelte herumzulaufen.

Wer einen Job sucht

hat die Möglichkeit, diesen bei IDT - Global zu finden.

Die IDT - Filialen in Jerusalem, Tel Aviv und Beer Sheva suchen derzeit Deutschsprachige für das Telemarketing.

Kein toller Job, denn aus dem Inserat in der "Jerusalem Post" ist zu entnehmen, dass die Bewerber ausschließlich Produkte am Telefon anbieten sollen.
Persönlich habe ich durch Bekannte schon einiges über die Firma IDT Global gehört. Selten traf ich auf jemanden, dem der Job dort gefiel. Vor allem im Telemarketingbereich soll es furchtbar zugehen. Die Leute werden geheuert und gefeuert. Wer sein Verkaufs - SOLL nicht erfüllt, kann sich schnell auf der Straße wiederfinden. Die einzige Chance länger bei IDT zu verweilen ist anscheinend, sich so schnell wie es nur geht in einen anderen Bereich außerhalb des Verkaufs versetzen zu lassen.

Aber wen der Job trotz allem interessiert, der kann sich bei IDT Global. COM bewerben. Vielleicht geht ja sogar alles gut.

Viel Glück !!!

Die unerwünschten "Touristen"

B"H

Mehrere Male habe ich schon darüber berichtet; reiche ausländische Juden kaufen die Immobilien unserer Städte auf. Ob Eilat, Tel Aviv, Netanya oder Jerusalem, wohlhabende Amerikaner und Franzosen sitzen in der ersten Reihe. Sie kaufen begehrte Immobilien in passablen Wohngegenden was das Zeug hält. Die Jerusalemer Immobilienpreise sind in den vergangenen Monaten ins Unermessliche angestiegen und kaum ein junges israel. Ehepaar kann sich noch einen Wohnungskauf in unserer Stadt leisten. Es sei denn, sie ziehen in die vom City - Center entfernteren Stadtteile wie Kiryat Yovel, Talpiot, Arnona oder Givat Mordechai.
Wer dagegen einen Wohnungskauf in den Stadtteilen Rehavia, German Colony, Katamon oder Talbiye plant, der wird gegen eine ausländische Konkurrenz ankämpfen müssen, der es egal ist, ob sie 1 oder 5 Mio Dollar Cash auf den Tisch legt.

Nicht, dass plötzlich alle vorhaben, Aliyah (Einwanderung nach Israel) zu machen. Die Richies aus dem Ausland suchen ganz einfach nur ein Ferienobjekt und kommen auf ein paar Wochen im Jahr angeschaukelt, um frische Luft zu schnappen und ihren Hund Gassi führen zu lassen. Den Rest des Jahres stehen die Wohnungen leer und so entwickeln sich immer mehr kleine Geistergegenden. In manchen mehrstöckigen Gebäuden befinden sich nur noch 2 - 3 israel. permanenter Mieter und der Rest lebt im Ausland. Gebürtige Israelis sind sauer auf die Ausländer, denn sie treiben die Preise hoch und ein Normalverdienender hat keine Chance mehr im Preiswettbewerb. So kommt es, dass insbesondere jung vermählte Paare in die billigeren Vororte oder gleich hinaus nach Beit Shemesh ziehen.

Die Tageszeitung HAARETZ warnt besonders die Geschäftsinhaber solcher Geisterviertel. Wer wird in ihren Läden noch kaufen, wenn die Kundschaft durch Abwesenheit im Ausland glänzt ?

Wohnungen in Jerusalem sind knapp und teuer, aber offensichtlich denkt kein einziger Ausländer an die Einheimischen, die diese Stadt erst zum Leben erwecken.

Sonntag, 25. November 2007

Wiederholt sich die Geschichte ?

B"H

Nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte steht die Stadt Jerusalem vor einer neuen Herausforderung. Wer die Historie unserer Stadt nicht kennt, der kennt unsere Stadt nicht. Im Talmud Traktat Yoma heisst es, dass die Welt von einem winzigen Punkt in Jerusalem erschaffen wurde. Am Anfang gab es nur diesen Punkt und von ihm aus breitete sich die Welt in alle Richtungen aus.

Kurz darauf wurde Adam, der erste Mensch, von der Erde des Tempelberges erschaffen. Später wollte Avraham seinen Sohn Yitzchak an gleicher Stelle opfern. König David, der Erste Tempel unter seinem Sohn Salomon, die Griechen, der Zweite Tempel, die Römer, Mameluken, Byzantiner, Kreuzritter, Moslems, alles kämpfte um den kleinen doch so wichtigen Fleck Jerusalem.

Im Juni 1967 siegte die israelische Armee im Sechs - Tage - Krieg und seit fast 2000 Jahren waren wir wieder die Besitzer einer ungeteilten Stadt. Grosse Hoffnungen entstanden und hätte der damalige Verteidigungsminister Moshe Dayan nicht den Schlüssel zum Tempelberg an die Moslems zurückgegeben, wie würde dann wohl unser Leben heute ausschauen ?

Die Bewohner Jerusalems haben Dayan diesen Schritt niemals verziehen. Ich meinerseits bin der Meinung, dass nicht unbedingt Moshe Dayan schuld ist, sondern es zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht an der Zeit war, den Dritten Tempel zu erbauen. Vielleicht habe ich unrecht, vielleicht auch nicht.

Nach dem Ende des Sechs - Tage - Krieges hätte niemand überhaupt nur davon zu träumen gewagt, was uns heute bevorsteht. Sämtliche israel. Ministerpräsidenten haben solch einen fatalen Schritt immer abgelehnt und es stand nie zur Debatte. Ab dieser Woche Dienstag kann jedoch alles anders werden. Der "Friedensgipfel" in Annapolis könnte eine Teilung Jerusalems mit sich bringen. Nicht, dass wir keine Teilungen und Katastrophen gewohnt sind; nein, dieser Schritt wäre absolut tödlich für unsere Stadt, in welcher die Mehrheit die Hoffnung auf einen wahren Frieden schon vor langer Zeit verlor.

Man braucht nicht unbedingt Zeuge oder Beteiligter eines Bombenattentates zu sein, um die Realität vor Augen zu haben. Ein kurzer Gang durch den arab. Markt in Ostjerusalems genügt. Relig. Juden werden beim Passieren am Shabbat ohne Scham dumm angemacht. Den Sekulären wiederfährt das gleiche in der Jaffa Road, wo man oftmals einer arab. Schimpfflut ausgesetzt ist. So waren es denn auch jene arab. Schimpfwörter, die ich als erstes meinen Arabischkenntnissen hinzufügen konnte.

Die Politiker versuchen uns klarzumachen, dass es sich bei einem geteilten Jerusalem nur um jene arab. Stadtteile handelt, die unsere Stadt eh nicht braucht. Da leben ja nur Palis und was sollen wir damit ? Beit Chaninah oder die Gegend rund um das israel. Justizministerium vor dem Mount Scopus.

Nicht, dass wir demnach gezwungen wären, Ostjerusalem zu durchqueren, um in andere Westjerusalemer Stadtteile zu gelangen. Wer schützt die Bewohner Westjerusalmes an Grenzübergängen und was geschieht, wenn fanatische paläst. Polizisten ausrasten und um sich schiessen ? Wer garantiert Sicherheit und Einheit ? Condoleeca Rice vielleicht oder die BBC ? Und geht erst einmal Beit Chaninah, ist es morgen die halbe Jaffa Road wie zu Zeiten der jordanischen Besetzung vor dem Sechs - Tage - Krieg. Wenn Jerusalem fällt, könnte dies genauso Tel Aviv und Massada passieren.

Hinzu kommt, dass selbst viele Ostjerusalemer einer Teilung skeptisch entgegen sehen. "Was, dann bekommen wir keine israel. Sozialhilfe mehr" ? Geld kommt nicht mehr in die Kasse, denn die paläst. Autonomiebehörde tut alles, nur keine Gehälter auszahlen. Europa zahlt Unsummen und die paläst. Regierung sackt skrupellos alles ein. Die Bevölkerung sieht wenig, leidet und das wiederum läßt günstigerweise jegliche Schuld auf die schlimmen Israelis schieben, die da immer alles blockieren und keinen einreisen lassen.

Das Problem Jerusalems ist es, niemals aus der Geschichte gelernt zu haben. Sind wir einmal im Aufwind, dann herrscht Optimismus und sogar Überheblichkeit. Und Letzteres läßt uns manchmal zu schnell wieder auf den Boden der Tatsachen purzeln.

Jerusalem ist mehr als Jaffa Road, Israel Museum oder Altstadt. Wer sich die Zeit nimmt und sich intensiv mit der Stadt beschäftigt, der lernt in jedem Stadtteil eine völlig andere Atmosphäre kennen. Die Bewohner prägen den Stadtteil und wer sich in ein Cafe setzt, der bekommt die unterschiedlichen Facetten zu spüren. Hier die Normalos, da die Studenten, Linke, Rechte, Religiöse aller Art, Reiche, Arme, Mittelschicht, Rechthaber, Depressive, Neueinwanderer, Träumer, Ausgeflippte, Hippies, Ökos, Soldaten oder jene, denen alles egal ist. Rehavia ist nicht Nachlaot und die German Colony ist nicht Kiryat Yovel. Niemand ist gleich und kaum jemand teilt die gleichen Ansichten mit dem anderen. Bisher hat uns all das Chaos nie an einem friedlichen Miteinander gehindert, denn gerade Jerusalemer sind an viel gewöhnt.

Teilung, ja oder nein, wir überleben auch das. Wenn es aber anderen Landesteilen an den Kragen geht, wird sich zeigen, ob alle so gefestigt sind wie die Jerusalemer aufgrund ihrer Geschichte.


JERUSALEM

Jerusalem der Zuschauer und derjenigen, die alle Antworten zu haben scheinen.
Jerusalem lobt dich für nichts, denn es ist immer bereit für Spannungen.
Es erscheint so starr und grossartig, umarmt dich und du willst gehen.
Wir alle lieben es und nennen es unsere Stadt
Feinde, Erinnerungen, Klagemauer, Felsendom, Grab, Synagogen, Moscheen, Kirchen
und Pilgerfahrten.
(von Gil Gilad)

Nur auf Hebrae., aber trotzdem sehenswert - ONE JERUSALEM.
http://jer1.org/Default.aspx

Fragen zum orthodoxen Judentum ?

B"H

Fuer all jene, die Fragen zum orthodoxen Judentum haben, ist vielleicht die folgende Site interessant:

http://groups.yahoo.com/group/Orthodoxjew/

Meine Absicht ist es, dort alle moeglichen gestellten Fragen zu beantworten. Dies jedoch nicht durch Googelei oder Verlinkungen.
Jede Frage wird individuell beantwortet und dabei spielen die Quellen wie Talmud, Thora, halachische, etc. Literatur eine wichtige Rolle.

Ich bin kein Gaon oder absoluter Experte, aber ich werde die Fragen so gut es geht beantworten. Meine Yeshiva - Erfahrung und ewige Kursteilnahme ist dabei sicher von Vorteil.

Fragen, die ich nicht beantworten kann, werde ich an befreundete Rabbiner weitergeben und sie beantworten lassen. Dies geschieht genauso bei Zweifelsfragen.

Freitag, 23. November 2007

Die Tragödie des Yoav Glitzenstein

B"H

Nicht erst seit dem "Fall Glitzenstein" nimmt man in Israel wahr, dass die Gewalt im Lande ansteigt. Mafiosos beschiessen sich auf offener Strasse, die Zahl der Vergewaltigungen steigt und vor wenigen Tagen gab es einen Überfall auf eine Bank Hapoalim - Filiale, bei der 2 Mio Shekel (ca. 400.000 Euro) erbeutet wurden. Rentner werden wegen ein paar Groschen überfallen und die Gewalt unter Schülern wächst.

Die Polizei steht etwas machtlos daneben, beschäftigte man sich doch bisher ausschließlich mit moslemischen Terroristen. Verspuerte ein Otto Normalverbraucher den Drang auf der Polizeiwache eine Anzeige zu erstatten, wurde er vielseits belächelt. "Glaubts Du, wir haben nichts Wichtigeres zu tun", hiess es dann.

Nun knallt es in der Gesellschaft und viele betreiben ihre Kriminalität ganz ohne jede Scham. Wieso sich auch schämen, wo es doch die Politiker vormachen ? Ex - Präsident Katzav wütete als "Perverser" durch seinen Amtssitz, Olmert lässt sich bestechen, von Familie Scharon erst gar nicht zu reden usw. Die Liste ist lang.
Nun hat es aber ausgerechnet noch den israel. Sport erwischt. Randalierende Fans gab es immer, doch was sich vor zwölf Tagen im Basketballstadion Malcha in Jerusalem abspielte, liess die Nation zusammen zucken.
Beim Basketballspiel zwischen Hapoel Yerushalaim und Hapoel Holon wurden Feuerwerkskörper von den Zuschauertribünen geschmissen. Der Ordner Yoav Glitzenstein wusste nicht, was auf ihn zugeflogen kam und dachte, es handele sich um ein buntes Bonbon. Er hob es auf und in dem Moment knallte es auch schon. Der Feuerwerkskörper explodierte in seiner rechten Hand und riss ihm drei Finger ab.

Explosion der Knallers


Im Krankenhaus Hadassah Ein Kerem konnten von Spezialisten zwei der drei Finger wieder angenäht werden. Nun ist Yoav Glitzenstein wieder daheim im Vorort Pisgat Zeev und seine Familie pflegt ihn. Mit dickem Verband um die rechte Hand gab er der Zeitung MAARIV ein Interview und klagt den Täter an. Dieser ist zwanzig Jahre alt und heisst Yossi Malach (Wohnort Ramat Gan bei Tel Aviv). Yossi Malach und zwei weitere Kumpanen sitzen in Haft und Yoav Glitzenstein will ihm nicht verzeihen, sondern hofft auf mind. 20 Jahre Knast für den Werfer des Knallers.

Vergangene Woche wendeten sich die Eltern Yossi Malachs an die Presse und heuchelten etwas von Gnade und sie suchen Vergebung. Ihr Sohn sei ein guter Junge. Das Söhnchen dagegen zeigte ein anderes Gesicht und verfluchte alles, was sich ihm in den Weg stellte. Besonders die Presse.

Yossi Malach


Familie Glitzenstein hat andere Sorgen. Was wird die Zukunft bringen und wird Yoav weiterhin arbeiten können ?

Israel ist aufgewacht und muss sich mit den "neuen" Bedrohungen auseinandersetzen. Mit einer Gesellschaft, in der allmählich die Werte verfallen.

Die Rechte rüstet sich

B"H

Gegen jegliches Sicherheitsbedenken israel. Militärs genehmigte Premier Ehud Olmert der palästinensischen Autonomiebehörde unter Abu Mazen mehrere Hundert Panzerwagen russischer Bauart. Olmert will entsprechend dem anstehenden Annapolis - Friedensgipfel seinen "guten Willen" zeigen.

Den "guten Willen" israel. Politiker durchleben wir schon jahrelang. Alles erweckt den Anschein eines baldigen Friedens und kurz darauf knallt es wieder und der Schuss geht nach hinten los. Die Oppositionsparteien in der Knesset sehen schon die freigelassenen Fatach - Terroristen in den Panzerwagen herumziehen und auf die israel. Armee schiessen.

Olmert ist unbeliebt und will seinen Machtanspruch bei die kommenden Knessetwahlen stellen. Die Bevölkerung jedoch will ihn nicht; und das nicht nur, weil er als Premier bisher komplett versagte, sondern weil seine Persönlichkeit einfach allen zuwider ist. Der Premier wiederum hat andere Sorgen als die Bevölkerung. Auf der einen Seite kämpft er gegen Condoleeca Rice's überzogene Forderungen zum Annapolis - Gipfel und auf der anderen Seite gegen die heimische Polizei, die ihn wegen Bestechung und Betrügereien vor Gericht bringen will. Genauso wie die Jerusalemer Bevölkerung Olmert als Bürgermeister abschoss, wird es ihm auch als Premier ergehen.

Die Rechte rüstet sich für eine große Demo gegen den "Friedens ?" - Gipfel. Kommenden Montag findet um 18.30 Uhr auf dem Jerusalemer Paris - Platz (Ecke Agron) eine Demo statt.

Aber damit nicht genug. Schon einige Stunden zuvor findet ein extra Gebet an der Kotel (Klagemauer) statt. u.a. wird der ehemalige sephardische Oberrabbiner, Rabbi Mordechai Eliyahu, anwesend sein. Tausende werden um 15.00 Uhr an der Kotel erwartet, denn es geht um unsere Stadt, die geteilt werden soll.

Demoaufruf der Rechten

Donnerstag, 22. November 2007

Warm anziehen

B"H

Wer derzeit nach Israel und insbesondere nach Jerusalem kommt, muß sich warm anziehen. Seit kurzem ist der Winter voll im Trend und warme Klamotten gehen in den Läden weg wie warme Semmeln. Israelis pikieren sich beim noch so kleinsten Kälteausbruch.
Was Ausländer noch als angenehme Temperaturen empfinden (15 - 18) Grad, ruft bei Israelis den Drang nach Winterkleidung hervor. Und so laufen sie schon seit einigen Wochen bei 16 Grad mit Winterstiefeln herum.

In den letzten zwei Tagen jedoch schlug der Winter so richtig zu. Jedenfalls für die Wetterverhältnisse im Nahen Osten.
Zuerst krachte es nur im Norden und im Küstenort Rosh HaNikra wurde ein Mann von einem Blitz erschlagen. Gestern brach das Unwetter auch über Jerusalem ein.

Heute sehen wir entwurzelte Bäume und teilweise überflutete Straßen. In Jerusalem sind solche Wintereinbrüche immer besonders unangenehm. Selbstverständlich ist bekannt, dass Wasser in Israel Mangelware ist und wir den winterlichen Regen dringend brauchen. Aber wenn es dann zuviel wird und jeder durch die Straßen waten muß, beginnt die Jammerei.

Die Gullis sind überlastet oder vielfach sind sie erst gar nicht vorhanden, und so staut sich das Wasser in den Straßen. Das beste ist, dass vorbeifahrende Autos und vor allem Busse durch die Riesenpfützen sausen und die Passanten ihre tägliche Dusche gleich am Straßenrand nehmen. Wer hier neu ist, der lernt schnell, sich von solchen Pfützen fernzuhalten. Eine Erfahrung reicht fürs ganze Leben.

Auf dem Hermon und im Carmel - Gebirge bei Haifa liegt der erste Schnee und alle sind begeistert. In anderen Landesteilen jedoch soll es sich etwas erwärmen und der Regen soll schwächer werden. In Jerusalem sind heute tagüber 9 Grad zu vermelden.
Anwesenden Touristen gebe ich den Tip, sich in einem Museum niederzulassen oder stundenlang in einem Cafe zu hocken. Dort ist wenistens richtig geheizt.

Die neuen Pläne des Arkadi Gaydamak

B"H

Die umstrittene Figur Arkadi Gaydamak ist wieder einmal mehr auf Expansionstrip. Kürzlich kaufte er das traditionelle aber abgewirtschaftete Jerusalemer Bikur Cholim Krankenhaus auf. Die dauernde Bankrottgefahr des Krankenhauses wurde so beseitigt und in naher Zukunft soll es zu einem Luxusetablissement umgewandelt werden.

Arkadi Gaydamak, der russisch - israel. Milliardär, hat schon wieder neue Pläne. Obwohl er unzählige Verfahren wie Steuerhinterziehung, illegalen Waffenhandel oder Geldwäsche, am Hals hat, will er nun der neue Bürgermeister von Jerusalem werden. "Jerusalem hat mehr verdient", so lautet sein auf allen Wahlplakaten sichtbarer Slogan.

Arkadi Gaydamak


Und so stehen der blasse Nir Barkat, der derzeitig genauso blasse Uri Lupolianski, genannter Arkadi und ein paar weitere blasse Figuren zur Wahl.

Nicht nur, dass Arkadi Gaydamak der hebräischen Sprache nicht mächtig ist; nein, noch nicht einmal seinen Wohnsitz hat er in Jerusalem. Aber was solls ? Geld hat er und damit wirft er um sich als drucke er alle Scheine selbst. Man muß nur wissen, wie man die Leute bei Laune hält. Große hebräische Reden schwingen ist out, wenn die Kasse stimmt.

Die Haredim (Ultra - Orthod.) lehnen den derzeitigen OB Lupolianski grundsätzlich ab. Obwohl dieser auch der ultra - orthod. Zunft zuzurechnen ist, will ihn niemand haben. Als OB will "Lupo" für alle da sein und gewährt diversen Geschäften, auch am Shabbat geöffnet zu haben. Die Haredim sehen ihn daher als Verräter und überhaupt sei er sowieso erst im späteren Verlauf seines Lebens relig. geworden. Was will man von so einem schon verlangen ?
Aber nicht nur die Haredim lehnen Lupolianski ab. Auch der Rest der Bevölkerung sieht in ihm soetwas wie einen Trottel.

Gaydamak dagegen ist derzeit voll ausgebucht und weiß sich zu verkaufen. Wo er auftaucht, ist immer etwas los und das kommt besonders bei der Presse an. Arkadi hat immer ein paar Sprüche bereit (wenn auch nicht auf Hebrä.).

Erst in der vergangenen Woche ließ er sich durch Jerusalems größte Yeshiva (relig. Schule), die MIR - Yeshiva, führen. Zur Freude des Leiters der Yeshiva hinterließ der superreiche Arkadi einen Scheck von sage und schreibe 8 Mio Schekel (etwas mehr als 1,5 Mio Euro).

Soetwas kommt an und Arkadi weiß das natürlich. Nebenbei unterstützt er auch noch die von Benjamin Netanyahu geführte Oppositionspartei in der Knesset, den LIKUD. Da kam es allerdings zu kleinen Unstimmigkeiten, denn Arkadi war total sauer als Netanyahu ihn nicht zu der Bar Mitzwa seines Sohnes einlud. Die Prominenz war da und da sich Arkadi auch als solches betrachtet, regte er sich über die Ignoranz Netanyahus auf.

Aber all das viele Geld kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Arkadi Gaydamak keine saubere Weste hat. Und geben wir es zu, irgendwie gehört er immer nie dazu. Als richtigen Israeli sieht ihn niemand.

Dienstag, 20. November 2007

Weitere Attacken sind vorprogrammiert

B"H

Es ist nichts Unbekanntes mehr, dass immer mehr israel. genauso wie ausländische Touristen im Jerusalemer ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim angegriffen werden. Erst am vergangenen Shabbat durften wir am frühen Nachmittag eine neue Live - Attacke miterleben, denn ausgerechnet am Shabbat lieben es israel. Reisegruppen durch Mea Shearim zu ziehen. Schnell versammelten sich einige lokale Bewohner um die Gruppe und schrien sie an bis die Touris das Weite suchten.

Jahrelang hängen die berühmten "Anstands - Plakate" an allen Ecken Mea Shearims aus. Mit riesigen Buchstaben wird in engl. und hebräischer Sprache darauf hingewiesen, dass das Viertel nur in dementsprechender Kleidung zu passieren sei. Männer sollten keine kurzen Hosen tragen und langärmlige Hemden anziehen. Die Kipa ist innerhalb der Woche (außer am Shabbat) nicht immer ein MUSS. Jedenfalls nicht in der Hauptstrasse des Viertels.
Bei Frauen liegt die Sache schon etwas komplizierter, denn diese sollten einen langen Rock und langärmlige Oberbekleidung tragen. Wenn schon ein T - Shirt, dann sollte der Ärmel mindestens den Ellbogen erreichen.

Plakate in Mea Shearim


Auftritte in Reisegruppen sind am wenigsten gerne gesehen, denn dies gibt den Haredim (Ultra - Orthod.) das Gefühl, ein Ausstellungsobjekt zu sein. Selbst sehe ich das größte Problem darin, dass Reisegruppen oder Einzelpersonen nach Mea Shearim kommen, ohne die kleinste Ahnung vom Detail zu haben. Da wird herumstolziert und alle schauen auf die doch "so armen" schwarz gekleideten Männer und die Frauen mit der Perücke als Kopfbedeckung. Wobei einige chassidische Gruppen die Perücke generell ablehnen und sich anderweitig aushelfen.

Manchmal kommt es mir so vor, dass die Touristen nur durch Mea Shearim laufen, um sich hinterher brüsten zu können, sie seien einmal dagewesen. Israel. Touristen bilden diesbezüglich keine Ausnahme. Außerdem scheint die Lästerei über die Bewohner Hochkonjunktur zu haben; ist man doch herumgelaufen, ohne überhaupt etwas verstanden zu haben. Wer kennt sich schon im alltäglichen Leben der Chassidim aus und wer kennt die Unterschiede innerhalb ihrer Gruppen und ihre Lehren ? Stattdessen wird dummdreist über den Hinterhof der Batei Hungari gelatscht und sich dann gewundert, wenn die Satmarer Chassidim ausflippen.

Anmerken muss ich jedoch, dass fast 100% der Touris Mea Shearim gar nicht kennen oder kennen lernen. Das einzige, was sie wissen, ist durch die Hauptstrasse des Stadtteiles zu laufen. Wow, jetzt kennen wir Mea Shearim.

Genau dem ist nicht der Fall. Wer Mea Shearim kennen lernen will, der sollte am Freitag Abend zum Shabbat kommen. Am besten mit einem relig. Juden, der einem die Hintergründe erklärt und ein Synagogen - bzw. Tischbesuch bei einem Rebben sollte nie ausgelassen werden. Es gibt nichts schöneres als am Shabbat Abend durch die Hinterhöfe oder den Mea Shearim Markt zu schlendern und wer Glück hat und entweder Hebräisch oder Yiddish spricht, der kommt leicht mit den Bewohnern in Kontakt. Eine weitere Voraussetzung ist, sich in der jüd. Religion bestens auszukennen, denn wenn die Chassidim erst einmal loslegen, dann reden sie alltäglich und denken nicht an irgendwelche Unkenntnisse des Gegenüber. Kenntnisse über haredisches Leben sind daher eine weitere Grundvoraussetzung.



Warum wird gerade jetzt dichtgemacht und es kommt zu Attacken?
Wer die Poster (Fakshvilim) an den Straßenrändern liest, der bekommt leicht einen Einblick in die Materie. Zuerst einmal lieben es christliche Missionare sich nach Mea Shearim zu begeben, weil sie meinen die Leute zu "retten". Mehr Dummheit kann es kaum geben, denn selbst ich würde mir gewiss nicht zutrauen, mit einem chassidischen Rabbi über komplizierte halachische Themen zu diskutieren. Vorausgesetzt jemand täte mit mir diskutieren, denn viele der Männer sprechen grundsätzlich mit keiner Frau.
Weiterhin lassen sich die Bewohner auf keinerlei Diskussionen ein und reden nur mit anderen Chassidim. Wer nicht weiss wie oder was, der findet keinen Kontakt.

Der zweite Ablehnungspunkt des Massentourismus ist, dass die Anstandsschilder ignoriert werden. Da laufen Frauen im Mini oder im Shirt ohne Ärmel durch den Stadtteil. Chassidische Kinder sollen vor solchem obszönen Verhalten geschützt werden.

Vor wenigen Wochen ging ich an einem Shabbat Abend durch Mea Shearim und eine Teilnehmerin bei einer israel. Touri - Gruppe schrie wild herum. Wo denn die anderen seien und ob es hier jetzt nicht endlich weitergehe. Sogleich begann eine Schreiorgie seitens der Chassidim, denn eine Frau hat hier nicht dumm herumzuschreien.

Meines Erachtens nach sind die Touris selber schuld. Wenn ich durch solch einen Stadtteil gehe, dann weiss ich, was mich erwartet. Übrigens betrifft dies nicht nur Mea Shearim. Es ist traurig, dass sich interessierte Touristen immer nur auf den einen Stadtteil beschränken, weil sie nur ihn kennen. Dabei ist Jerusalem voll haredischer Stadtteile: Sanhedria, Romema, Kiryat Mattersdorf, Kiryat Belz, Ramat Shlomo und immer mehr auch Ramat Eshkol und Givat Mordechai. Insbesondere in Kiryat Mattersdorf sowie Belz werden am Shabbat nur anständig angezogene Leute geduldet. Alles andere würde herausstechen und zu sehr auffallen.

Aber nicht nur in Israel bestehen solche Regeln. Wer in die chassidischen New Yorker Stadtteil Boro Park, Wlliamsburgh, Crown Heights oder raus nach Monsey fährt, erlebt dort genauso sein blaues Wunder.

Boro Park in Brooklyn / New York


Tagüber kann jeder sicher bequem durch die Mea Shearim Hauptstrasse laufen, doch vor Hinterhöfen und dem Markt sollte man sich dann hüten, wenn man über kein haredisches Wissen verfügt und die Leute einen automatisch als Alien outen. Bei den Einheimischen spielt immer der Hintergedanke mit, was denn der Außenstehende von ihnen will, denn zuviele kommen mit negativen Absichten.

Mehr zu den Themen Chassidim und Mea Shearim gibt es auf meinem relig. Blog:

http://hamantaschen.blogspot.com

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/09/nur-eine-isolierte-gesellschaft.html

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/09/die-anstandsstrasse.html

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/09/die-koenigin-der-nacht.html

Montag, 19. November 2007

Gastarbeiter bleiben "krank"

B"H

Das israelische Krankenkassensystem umfasst nur wenige Krankenkassen. Jeder Staatsbürger darf seine individuelle Krankenkasse auswählen und sich dort registrieren. Jeder Staatsbürger wohlgemerkt, denn Ausländer haben keinen Anspruch auf die israel. Krankenkassen. Die einzige Chance, die den Gastarbeitern bleibt ist, sich bei privaten Krankenkassen anzumelden. Jene, die extra für Gastarbeiter gegründet worden sind.

Sollte jemand als Tourist in Israel erkranken und über keine Auslandskrankenkasse verfügen, muß er tief in die Tasche greifen. Kaum etwas ist in Israel so teuer wie die Gesundheitsversorgung und wer glaubt, dass er als Staatsbürger besser dran sei, der liegt falsch. Persönlich besitze ich zwar eine private Zusatzversicherung, doch allzu viel nützen täte dies im Ernstfall auch nicht.

Wo soll der kranke Tourist also hin, wenn er denn nun einmal krank ist ?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Die erste wäre, sich direkt an ein Krankenhaus zu wenden. Dies kommt ihn teuer zu stehen, denn bezahlt wird meistens in Cash. Kreditkarten werden unter Umständen akzeptiert. Am besten vorher nachfragen.
Die zweite und billigere Möglichkeit ist, sich an eine der Magen David Adom Stationen (Roter Davidstern, vergleichbar mit dem Roten Kreuz) zu wenden. Dort wird zwar auch Cash oder Kreditkarte verlangt, doch ist die Behandlung kostengünstiger.

Was tut aber ein illegaler Gastarbeiter und dessen Kinder ? Wohin wenden sie sich, wenn sie nicht abgeschoben werden wollen ?
Über diese Frage diskutierten nun die israel. Krankenkassen und einigten sich darauf, Gastarbeiterkindern keine Gesundheitsversorgung zu genehmigen. Sie und ihre Eltern müssen also weiter tiefer in die Tasche greifen und sehen, wo sie eine private Touristenkrankenkasse herbekommen.

Das israel. Krankenkassensystem ist für einen Deutschen schwer verständlich und genauso schwer erklärbar. Normalerweise wird einem vom Gehalt der Krankenkassenbeitrag automatisch abgezogen. Damit hat sich dann doch alles, könnte man direkt meinen. So dachte auch ich bis vor einigen Jahren.
Dann bekam ich eine Infektion, von der niemand so richtig wußte, was es ist. Ich wurde über mehrere Wochen hinweg von einem Arzt zum anderen geschickt. Bluttest hier, Bluttest da. Meine Arme glichen schon die eines Junkies, aber nichts wurde festgestellt. Zum Schluß kam heraus, dass ich eine Streptokokkeninfektion hatte. Wer wäre darauf gekommen ?

Bei meinem Weg durch die Krankenkassenbürokratie wurden mir zwar sofort alle Unkosten erstattet, dennoch machte man mich darauf aufmerksam, dass ich ja nur die "regulären" Beiträge zahle. Besser sei es, eine Zusatzversicherung abzuschhliessen, mit der man auch ein Anrecht auf die Behandlung in ausländischen Krankenhäusern hätte. Die Zusatzkosten seien minimal, was der Richtigkeit entsprach. Für eine Röntgenaufnahme zahle ich als Mitglied nur 4 Euro (gültig für ein Quartal), ein Tourist dagegen muß bei Magen David Adom oder im Krankenhaus 60 Euro hinblättern. Nur so zum Vergleich.

Warum aber weigern sich die Krankenkassen Ausländer aufzunehmen ?
Das Geld, welches vom Gehalt für Krankenkasse und Sozialversicherung abgezogen wird, wird für mich irgendwie unverständlich vermischt und aufgeteilt. Alles rutscht in einen Topf, auf den nur Staatsbürger Anrecht haben.

Eine Sanierung der Krankenkassen ist nicht im Gespräch, Wieso auch ? Verdienen sich doch die Manager der jeweiligen Krankenkasse goldene Nasen. Kritik gibt es an deren Gehältern und die Presse wettert ab und an; passieren tut jedoch nichts. Wer allerdings das Pech hat, richtig krank zu werden, kann sich auf Medikamentenkosten gefasst machen. Es wäre nichts Ungewöhnliches, wenn jemand mehr Schmerzen erleidet, weil er gerade das Geld für die Medizin nicht flüssig hat.

Sonntag, 18. November 2007

Another Brick in the Wall

B"H

Wer kann sich das wirklich ausmalen ? Da demonstrierten fast 100.000 Menschen, die Mehrzahl von ihnen Schüler, auf dem Kikar Rabin (Rabin Platz) in Tel Aviv.


Photo: Arutz 10

Dies geschah am gestrigen Abend und eigentlich sollte die Grossveranstaltung eine Demonstration der Lehrer sein. Lehrer, die seit mehr als einem Monat streiken und die Schulen geschlossen bleiben lassen. Ihre Forderungen nach mehr Gehalt und eine Aufhebung der Stundenkürzungen wurden bisher von der Regierung Olmert weitgehend ignoriert.

Lehrer, sowelche haben doch keine Mehrheit.
Seit gestern ist alles anders, denn die sonst so beschimpften und verhassten Lehrer brachten es fertig, eine einfache Demo zur Massenkundgebung umzugestalten. Genervte Eltern schickten ihre Kinder zur Demo und so demonstrierten Lehrer und Schüler gemeinsam für eine Anhebung des Bildungsniveaus.

"Olmert, hol die Bildung aus dem Müll", so lauten auf Mülleimer geklebte Plakatsprüche.

Anscheinend ist Olmert nun gezwungen, seinen Arm in dem Mülleimer zu strecken und etwas zu unternehmen. 100.000 Demonstranten lassen sich nicht so einfach beiseite ignorieren. Selbst die relig. Schulen, in den denen der Unterricht normal weiterlief, verbrüdern sich mit ihrem sekulären Gegenpart. Und auch die Unis stehen nicht hinten an.

Das israel. Bildungssystem steht seit mehr als einem Monat am Abgrund und die Regierung schweigt. Vielleicht auch deshalb, weil kaum jemand der heutigen Knesset - Abgeordneten über allzu viel Bildung verfügt.

Ich habe schon so einige Schüler privat unterrichtet und muß gestehen, daß in Israel mehr gelernt wird als dies zu meiner Schulzeit in Deutschland der Fall war. Man könnte jedoch argumentieren, daß dass deutsche Bildungssystem sozialer ist; immerhin gibt es Haupt - u. Realschulen sowie Gymnasien. In Israel hingegen sind die meisten Schulen High Schools, auf denen alle zusammen in eine Klasse gepfercht sind. Wer hinterherhängt hat oft Pech und steht am Ende ohne das begehrte "Bagrut - den Schulabschluß" da.

Ohne Bagrut läuft gar nichts in der Berufswelt und beim Militär heisst es dann auch nur "Mishmar HaGvul - Grenzpolizei". Kein Bagrut bedeutet Arbeitslosigkeit und Abstieg. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien und palästinensische Kinder fallen bei den Tests durch. Die Zukunft ist vorprogrammiert und eventuelle Uni - Pläne kann man gleich vergessen.

Nun haben es selbst die israel. Schüler satt, ihr Dasein daheim zu fristen. Sie wollen in den Unterricht zurückkehren, denn die nächsten Bagrut - Prüfungen stehen im April / Mai an. Und wie soll man da etwas bestehen, wenn die Schulen dicht sind und die Lehrer mit Protestplakaten auf der Straße stehen ?

Donnerstag, 15. November 2007

"Die wolln immer nur Geld"

B"H

Deutschland hat zugestimmt.
Was längere Zeit unklar und bisher von der Bundesregierung abgelehnt worden war, gewinnt wieder an Aktualität. Der Vorsitzende der israelischen "Rentnerpartei" in der Knesset, Rafael (Rafi) Eitan, verlangt von Deutschland erneute Holocaust - Entschädigungszahlungen.

Rafi Eitan


In Deutschland klang das anscheinend mehr als übertrieben, denn schließlich verpflichtete sich Konrad Adenauer im Jahre 1952, Entschädigungsleistungen an den jungen Staat Israel zu zahlen. Das wars dann auch, so dachten Adenauer & Co.

In Deutschland mußte ich mir unzählige Male anhören, dass sich die Folgegenerationen nicht mehr verpflichtet sehen, auch nur irgendetwas an Israel zu zahlen.
"Wir haben keine Schuld am Holocaust", so die Rechtfertigungen. "Und überhaupt, immer wenn ein israelischer Politiker auf Deutschlandbesuch kommt, dann will der eh immer nur Geld von uns".

Hat Deutschland genug gezahlt ? Sind auf einmal alle unschuldig, weil sie sich "freikauften" und ein neues demokratisches Land aufbauten ?

Rafi Eitan meint NEIN.
Erstens zahlte die damalige Bundesrepublik Deutschland unter Adenauer die Entschädigungen NUR für den westdeutschen Teil. Ostdeutschland (die DDR) zahlte gar nichts.

Zweitens zahlte Adenauer nur Entschädigungen für den von Nazideutschland gestohlenen jüdischen Besitz. NICHT gezahlt wurde für jahrelange medizinische Behandlungen, welche sich die Holocaust - Überlebenden in Israel unterziehen mußten.
"Deutschland wird solange zahlen, bis dass der letzte Holocaust - Überlebende verstorben ist", so Rafi Eitan. Ein Entkommen gibt es nicht und Schuld kann nicht einfach weggewischt werden.

In Deutschland mag dies den Anschein einer "Gier" haben, doch für unzählige Holocaust - Überlebende und deren Angehörigen, ist die Shoah Alltag. Täglich werden sie damit konfrontiert und nicht nur einmal pro Jahr auf einer Gedenkveranstaltung. Viele Überlebende leiden bis an ihr Lebensende an gesundheitlichen Folgeschäden.

Aber es geht nicht nur um einen finanziellen Ausgleich, mit dessen Geld man dann "High Life" macht. Der wahre Verlust des Holocaustes sind die Ermordeten, denn die kann man nicht einfach mal eben so anhand von Entschädigungszahlungen wieder hervorzaubern.

Nicht nur 6 Mio Opfer werden gezählt, sondern auch die verlorenen Generationen, welche eben jene 6 Mio hätten zeugen können. Was für Generationen sind der Welt verloren gegangen ? Nobelpreisträger, Musikgenies, etc. Vom Akademiker bis hin zum "kleinen Mann". Für diese Schuld gibt es keine Reue. Und schon gar nicht finanziell.

Obwohl sich Deutschland heute als demokratisches Land sieht und mit Israel gute Beziehungen pflegt, eine Flucht vor der Schuld gibt es nicht.

Mittwoch, 14. November 2007

Der groteske Spendenaufruf des Marcel Reich - Ranicki

B"H

Beim kurzen Durchblättern der "Jüdischen Allgemeinen" traf mich fast der Schlag.
In einer Kleinanzeige ruft Marcel Reich - Ranicki zu Spenden für das "ach so gebeutelte" Jerusalemer Krankenhaus Bikur Cholim auf.

Was Herr Reich - Ranicki anscheinend nicht weiss (oder doch ?) ist, dass eben jenes Skandalkrankenhaus schon vor geraumer Zeit vom russisch - israel. Milliardär Arkadi Gaydamak aufgekauft worden ist. Und nun plant Arkadi einen Nobelschuppen zu errichten, den er prophezeihisch "Israels Krankenhaus Nummer Eins" nennt.

Der selbst skandalträchtige Gaydamak (Steuerhinterziehung, illegaler Waffenhandel und Geldwäsche) macht sich in Israel breit. Engl. oder Franz. sprechend hangelt er sich durch die Medien und sucht notorisch nach Anerkennung. Nun, Arkadi ist Russe und mit den Russen haben es die Israelis bekanntlich nicht so. Aber Null Problemo, denn Arkadi hat eine Menge Geld und kauft sich so durch. Fussballclub Beitar Yerushalaim, Spenden noch und nöcher, und für die von Kassam - Raketen geplagten Bewohner Sderots gab es Fünf - Sterne - Hotels in Eilat. Alles gratis und mit Prolobus.

Zum Unmut der vorhandenen Ärzteschaft des Bikur Cholim Krankenhauses verkündete der neue Eigentümer euphorisch, dass Rationalisierungen anstehen. Ganze Stationen sollen geschlossen werden und die Hälfte des Personals wird sich wohl oder übel auf der Strasse wiederfinden. Demnächst soll der historische Bau in der Strauss - Street zur Luxusklitsche umgebaut werden.

Warum also sammelt Marcel Reich - Ranicki Geld für den Gaydamak Koloß ?
Hat er sich vielleicht schon einen Platz am zukünftigen Luxuspool gebucht, um sein Rheuma auszukurieren ?

Wer will, der kann gerne spenden. Aber wenn, dann eher dem demnächst arbeitslosen Personal.

Operation "Untergang"

B"H

Der Tag der Wahrheit stand an.
Gestern trafen sich Ehud Olmert und eine Delegation der nationalreligiösen Siedlervereinigung YESHA. Was Ehud zu verkünden hatte, klang alles andere als zuversichtlich und die Yesha - Leute sehen einen Bürgerkrieg am Horizont.

Olmerts Ziel war es, Verständnis für die zu erwartende Räumung von 100.000 israelischen Bewohnern der sogenannten Westbank aufzubringen. Verständnis für was ? Nach den 10.000 Gush Katif Bewohnern sind nun weitere 100.000 Siedler an der Reihe ?

Condoleeca Rice verkündete unterdessen, dass die Mehrheit der Israelis für eine komplette Aufgabe der Westbank sei. Mit wem hat Condoleeca eigentlich gesprochen als sie abgeschottet in ihrem Jerusalemer David Citadel Hotel sass ?
Mit der arabischen Klofrau ?

Es bedarf keiner besonderen Intelligenz um festzustellen, dass die Mehrheit der Israelis es gründlich satt hat, mehr und mehr Zugeständnisse zu machen, nur um sich von palästinensischer Seite mehr Hasstiraden einzufangen. Wenn weitere 100.000 Israelis geräumt werden, stehen schwere Zeiten für unser Land an. Eine Gesellschaft, die eh schon gespalten ist, wird sich auf den Abgrund zubewegen. Ich bin kein grosser Netanyahu - Fan, dennoch hoffe ich, dass die Opposition Stärke zeigt und nicht wieder vor sich hindämmert.

Wenn Olmert so weitermacht, dann sind zukünftige Gipfeltreffen überflüssig, denn die Israelis werden sich wohl oder übel in der Diaspora wiederfinden. Ohne eigenes Land.
Und totlachen wird sich die Neturei Karta.

Dienstag, 13. November 2007

Sarah im Alarmzustand

B"H

Wieder einmal wird Sarah Netanyahu, die Gattin des Oppositionsführers Bibi Netanyahu, das Opfer einer HAARETZ - Karikatur.

Ihr Mann kommt heim und in seinem Gesicht befindet sich ein roter Handabdruck. Sarah Netanyahu reagiert nervös und hegt sofort einen bösen Verdacht gegen ihren Mann, denn sie will nicht glauben, dass Rabbi Ovadiah Yosef den Handabdruck auf Bibis Gesicht hinterliess. Steckt da nicht etwa doch eine heimliche Geliebte dahinter ?

Hintergrund ist ein Besuch Benjamin Netanyahus beim geistigen Führer der sephardisch haredischen (ultra - orthod.) SHASS - Partei, Rabbi Ovadiah Yosef. Bibi wollte doch glatt den Rabbi überreden, gegen die Annapolisvereinbarungen zu stimmen.

In ca. zwei Wochen soll es eine neue Verhandlungsrunde zwischen Israel und Abu Mazen kommen. Anscheinend wird dann einmal wieder mehr die Landkarte zu Gunsten der Palästinenser geändert. Das israel. Territorium wird kleiner und kleiner und Jerusalem geht es diesmal auch an den Kragen. Damit nicht genug, denn Olmert plant die Freilassung weiterer 420 paläst. Häftlinge. Als guten Willen sozusagen. Was war da gleich noch mit Rabin - Mörder Yigal Amir soll auf ewig im Knast bleiben. Wieso der und andere kommen lässig frei ?

Netanyahu geht auf Stimmenfang gegen die Pläne beim Annapolis - Gipfel, aber Rabbi Yosef will sich Zeit lassen. Seine Partei ist zwar Regierungsmitglied, doch sollen keine voreiligen Entscheidungen fallen. Schliesslich ist der Rabbi ein Meister im Abwarten und schaut erst einmal, was Olmert bereit ist, als Gegenleistungen zu erbringen.

Unsere weitgehend linke Presse verursacht einen riesen Wirbel um das Gipfeltreffen und versucht uns einzubläuen, dass alles zwar so furchtbar schmerzhaft werden könnte, aber hey, wir müssen nun einmal für den Frieden opfern.

Wieviele Male haben wir das innerhalb der letzten Jahre schon gehört ? Und wieviele Ministerpräsidenten haben uns die Ohren zugeredet. Gut, dass es Kabel - TV gibt und man auf die Movie - Channels umschalten kann.

Genau das tun wir Israelis in dieser Zeit. Nichts da mit opfern, sondern es wird umgeschaltet. Keiner macht sich Hoffnungen, nur weil einmal wieder ein Ministerpräsident seinen perphiden Fantasien nachgeht.

Montag, 12. November 2007

Akademikerleben nach Titeln

B"H

Sicher ist es überall so auf der Welt und nicht nur an der Hebrew University in Jerusalem. Wer mit Uniprofessoren in Kontakt kommt, wird danach gerichtet, ob er entweder selbst akademische Titel vorweisen kann oder sich mindestens inmitten einer Doktorarbeit befindet.

Nicht, dass ich die Kompetenz habe, für alle Fachrichtungen sprechen zu können, doch bei der "Akademia der jüdischen Religion" geht es schon recht seltsam zu. Jedenfalls meinen Erlebnissen zufolge.

Wie wahrscheinlich überall berichten sich die Profs gegenseitig von ihren allerneuesten Artikeln oder Bücher, die sie verfasst haben. Natürlich immer mit dem Unterton "mein Buch ist besser als Deines oder jedes andere". Und wer einen Artikel in einer wichtigen akademischen Zeitung verfasst, der ist erst einmal Stunden damit beschäftigt, durch das Gebäude zu zockeln und es auch ja jedem mitzuteilen.

Bei der Chassidut schaut es noch finsterer aus. Da wird diskutiert, welches Buch in welchem Jahr erschien und wie es geschrieben ist. Seltsam, denn ich schau auf den Inhalt eines Autors und nicht unbedingt, ob es die älteste Ausgabe ist. Wobei es hier keinesfalls um die Chassidim selber geht, sondern um andere Autoren (Harvard usw.), welche Bücher über die Geschichte des Chassidismus schrieben.

Immer wieder fällt mir auf, dass die Profs Ewigkeiten diskutieren, doch mit den chassidischen Gruppen selbst spricht niemand. Neulich sass eine Professorin neben mir und suchte verzweifelt in ihren Notizen. Ich kam mit ihr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie über die chassidische Gruppe Gur schreibt. Kein Problem, meinte ich, ich gebe Dir eine Adresse und dann unterhalte Dich mit ihnen. Die Prof schaute mich entgeistert an und meinte: "Nee, sie hätte doch Bücher." Ich fiel fast vom Stuhl. Da schreibt ein Autor vom anderen ab und vor Ort war keiner.

Die Mehrheit der Profs lehrt jüdische Geschichte und jeder meint, seinen Senf dazuschreiben bzw. abschreiben zu müssen.
Dann gibt es die Talmudleute, die zwar die Grammatik des jeweiligen Aramäisch deuten können, aber den Inhalt der Sugia (Gemaraabschnitt) nicht kapieren und dann gibt es diejenigen, die auf und ab laufen, aber im Grunde genommen selbst nicht wissen, warum sie einen Lehr (Leer) stuhl haben. Ist ja auch egal, wenn man schon zwei Titel (für was eigentlich?) und ein Monatsgehalt von 12.000 Shekel (etwas mehr als 2000 Euro) hat.

Die Professoren mit dem "Leerstuhl" bleiben uns erhalten und jene mit einem richtigen "Lehrstuhl" bekommen Angebote aus den USA und wandern ab. Und wer sich nicht im Internet umschaut, dem bleibt nichts anderes übrig als die Artikel der Leerprofessoren zu lesen.

Wenn ich Fragen habe, dann wende ich mich immer noch an diverse Rabbis oder relig. Institute bevor ich mich an jemanden "Leeres" wende.

Sonntag, 11. November 2007

Das Kollektivopfer

B"H

Seit Wochen fällt es mir sogar schon auf dem sonst so günstigen Machane Yehudah Markt auf; die Verbraucherpreise steigen ins Unermessliche. In den Zeitungen ist zu lesen, dass wir die Preissteigerungen gefälligst zu verstehen haben, denn schließlich seien weltweit die Mehl - und Ölpreise auch gestiegen, und da muß man schon einmal bereit sein, mitzuopfern. Regierung und Hersteller seien da nicht schuld. Ätsch.

Und so zahlen wir alle drauf. Keiner weiß, wohin der Strompreis steigt und die Brotpreise sind innerhalb der letzten Monate um 10% angestiegen. Wer in den Urlaub fliegen will, der muß für das Flugticket auch tiefer in die Tasche greifen und ein Kilo Bananen kostet auf dem Machane Yehudah 5 Shekel (1 Euro). In Euro hört sich die Summe lächerlich an, für uns dagegen sind 5 Shekel für Bananen teuer. Aber nicht nur die Bananen sind fast ungeniessbar geworden; auch Tomaten und Gurken, die Zutaten des typischen israel. Salates, stehen bei 4 - 5 Shekel das Kilo. Die Preise in den regulären Supermarktketten will ich lieber erst gar nicht wissen. Dazu kommt, dass ich morgens für meinen Joghurt auch mehr auf den Tisch legen muß.

Okay, überall wird es teurer, aber sicher nicht gerade so rasant wie in Israel. Und das alles bei dem gleichen mickrigen Gehalt. Vor allem diejenigen trifft es einmal wieder, die von der Bituach Leumi (Sozialhilfe und Niedrigrenten) leben. Wer soll da noch die horrenden Brotpreise zahlen können ? In unserer Bäckerei kostet ein läppisches Gesundheitsbrot (Roggen, Weizen, Vollkorn oder Spelt) jetzt 14,50 (3 Euro) anstatt der 12,50 (2,50 Euro) Shekel.
Heute früh zeigte mir eine Kollegin sogleich das neue Infoschildchen an der Bürotür. Statt der 30% Rabatt bekommen die Mitarbeiter nun weniger. Befehl vom Boss, der zwar mehr Umsatz macht, aber irgendwie seinen neuen Wohnungskauf finanzieren will. Auf Kosten des Proletariats versteht sich.

Die Lehrer streiken seit einem Monat, weil sie mehr Gehalt fordern. Weshalb auch sonst ? Die Schulkinder bleiben daheim und lungern herum. Die Eltern sind genervt und mittlerweile haben sich aus Langerweile viele Schüler dem Streik ihrer Lehrer angeschlossen. Man steht gemeinsam mit Plakaten vor Olmerts Office.
Anzumerken sei, dass die relig. Schulen nicht streiken, sich jedoch mit den anderen Lehrern solidarisch zeigen.

Jeder will mehr Geld und kaum einer bekommt es. Hohe Preise, wenig Lebensqualität. Viele Akademiker haben die Nase voll und wandern in die USA ab. Jüngstes Beispiel ist der Nobelpreisträger Prof. Aumann (Hebrew University Jerusalem), der Gastprofessor in den Staaten wird und so sein Gehalt aufbessert.

Eine Berufsgruppe darf sich dennoch freuen, wieder Jobs zu bekommen. Die Hersteller von Gasmasken. Nach dem letzten Irak - Krieg waren die Gasmasken eingemottet worden und die Herstellung wurde eingestellt. Seitdem der iranische Präsident jedoch sein irres Kriegszenario plant, wird wieder kräftig hergestellt. Demnächst sollen wir ihn wieder bekommen, den rechteckigen braunen Karton mit der Gasmaske. Ob das bei Atomraketen etwas hilft ?

Macht nichts, Hauptsache die Leute sind beschäftigt und schreien nicht mit Protestplakaten auf der Straße herum.

Lokalderby Maccabi : Hapoel

B"H

Kanal 10 des israelischen Fernsehens überträgt heute Abend ab 20.50 Uhr (israel. Ortszeit) live das Lokalderby zwischen dem Zweitletzten der ersten Liga, Maccabi Tel Aviv, und dem Tabellenletzten "Hapoel Tel Aviv".

Wer hätte geglaubt, dass Maccabi einmal to tief sinkt und ausgerechnet Beitar Yerushalaim wochenlang an der Tabellenspitze steht. Nach den Buhrufen gegen den ermordeten Premier Yitzchak Rabin bekam Beitar die offizielle Strafe, zwei Spiele vor leeren Stadionrängen zu spielen.

Gestern verabschiedeten sich Beitar Yerushalim und Kiryat Shemona nur mit 0 : 0 unentschieden.

Freitag, 9. November 2007

Zum Thema Deutsche Staatsbuergerschaft

B"H

Wie jeden wieder Monat, erinnere ich die Betreffenden aufs Neue:

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2007/07/zum-thema-deutsche-staatsbuergerschaft.html

Und hier gibt es rechtlich offizielle Infos zum Thema:

http://www.noam.org.il/content/view/98/1/

Pogromerinnerung ?

B"H

Ehrlich gesagt, ich haette es glatt vergessen, wenn ich nicht diese Woche ab und an in einigen deutsch - juedischen Blogs davon gelesen haette. Ich habe nicht an den 9. November (Reichskristallnacht) gedacht. Muss ich mich jetzt schaemen ?

In Deutschland wird anscheinend gross gedacht, in der israelischen Presse tauchte zum Thema "Kristallnacht" nichts auf. Wenn mich meine noch mueden Augen nicht trueben, dann verliert die Tageszeitung MAARIV kein einziges Wort zum Thema. Absolut Null. Und dass, wo sicherlich Tausende Deutsche der Meinung sind, dass in Israel die grosse Trauerstimmung ausbricht und wir ueber den Holocaust jammern.
Laut neuesten Umfragen in Deutschland soll ja dort jeder Vierte irgendwie anti - juedisch eingestellt sein. Jedenfalls lasen wir das so in unserer Presse.

Die Realitaet schaut anders aus. Der Holocaust ist oft ein Thema, aber wenn, dann mit voellig anderen Fakten und Hintergruenden als in Deutschland. In Israel geht es ueberwiegend um den aktuellen Antisemitismus und wir sind neugierig, wie die Welt mit dem Problem umgeht. Wohlgemerkt, die Welt und nicht nur Deutschland.

Ein gutes Beispiel liefert die heutige Maariv dann doch noch. In der Wochenendbeilage wird ein mehrseitiger eindringlicher Artikel mitgeliefert. Ich habe ich noch nicht ganz durchgelesen, doch geht es um Polen, welche noch vor kurzem zur rechten polnischen Szene gehoerten und doch dann glatt erfuhren, dass sie juedischer Abstammung sind. Sogar ein katholischer Priester ist darunter, der sich unbestreitbar juedisch fuehlt, aber dennoch seinen Meschiach J. nicht aufgeben will. Ein weiterer Fall beschreibt einen Ex - Neonazi, der ploetzlich Haredi (Ultra - Orthod.) wurde und seit neuestem koscheres Essen ueberwacht (ein Maschgiach). Schon seltsam, was die Nachricht des "Juedischseins" bewirken kann.

Aber das in Israel nun unbedingt dem 9. November gedacht wird ?
Ich denke, dass viele Israelis es ganz einfach als deutsches Problem betrachten, der Kristallnacht zu gedenken. Wer aus der Geschichte nicht lernt, der setzt sich der Gefahr der Wiederholung aus.

Bevor ich im Juni 2000 nach Israel auswanderte (Aliyah), gab es am 1. Mai in unserer Stadt eine grosse Neonazi Demo. Soweit ich mich erinnere, war es ein Sonntag und es herrschte strahlender Sonnenschein. Meine Freunde riefen mich alle an, ob ich nicht mit auf Gegendemo gehe. Nein, meinte, ich, dass ganze Thema sei mir egal, denn ich gehe in ein paar Wochen. Und Zoff mit der Polizei wollte ich auf den letzten Druecker auch vermeiden.

Dann kam der 1. Mai und ich sass mit einer Freundin daheim beim Kuchenessen. Zu allem Unglueck klingelte wieder das Telefon und ein Freund war dran. Er sei auf der Demo und ich solle mal hinhoeren, was im Hintergrund geschieht.
Nun, was geschah schon gross ? "Deutschland den Deutschen" wurde gerufen. So what ? Soll mich das jetzt beeindrucken ?

Ich liess mich aber ueberreden und meine Freundin und ich machten uns auf den Weg in die Innenstadt. Am Ort des Geschehens angekommen, war absolut tote Hote. Nichts war zu sehen. Aber dann tauchten ploetzlich irgendwelche Anarchos auf, die ihre Molotow - Cocktail preparierten. Wir liefen hinterher und sahen den Neonazi Zug kommen. Es war das erste Mal, dass ich soetwas sah und mir machten die riesigen Flaggen und das Trommelgeschlage angst. Die Gegendemo befand sich gleich in der Nebenstrasse und ich sah einen Anarcho eine volle Wasserflasche in den Nazizug werfen. Vorher dachte ich noch, ob es denn nicht meine buergerliche Pflicht sei, ihn davon abzuhalten. Im Nachhinein war es mir dann aber doch egal und er schmiss.

Der Typ bewies Treffsicherheit und die Nazis schrien auf. In dem Moment rannte die Polizei mit Schlagstoecken in unsere Richtung und wir flohen. Zu aller Unglueck entkam ich dem Polizeikessel nicht rechtzeitig und ich verfluchte meine Freunde, die mich ueberredete hatten. Ich wollte nur noch nichts wie weg von der Demo und aus dem Land.

In Deutschland ist es sicher wichtig, an solche Daten zu erinnern, denn man weiss ja nie, was kommt. Zusaetzlich verlangt das Ausland von Deutschland eine gehoerige Portion an Reue. Ob das nun Hollaender oder Englaender sind. Europaeische Einheit hin oder her, fuer Auslaender ist Deutschland immer noch Deutschland und da kommen die Thema "Holocaust und Zweiter Weltkrieg" immer wieder hoch. Nur wenn Deutschland sich wirklich aendert und eine Einsicht zeigt, kann sich der Zustand einmal in weiter Zukunft aendern.

Israel wiederum betrachtet diese Angelegenheit als reine deutsche Angelegeheit. Wichtig zu erwaehnen sei hier, dass die Mehrzahl der israel. Holocaust - Ueberlebenden keineswegs aus Deutschland kommt. Jene Deutsche traf ich bisher ganz ganz selten einmal. Die Mehrheit der Ueberlebenden kommt aus Ungarn, Rumaenien, Polen und Russland. Wobei sich besonders die Ungarn als unversoehnlich erweisen.

Viel mit Erinnerung bei den deutschen Juden wird es heute jedoch nichts werden, denn in wenigen Stunden ist Shabbat und dann ist es halachisch verboten zu trauern.

Shabbat Shalom an alle.

Donnerstag, 8. November 2007

Mascha Putermilch (Gleitman) - Die stille Heldin des Warschauer Ghettos

B"H

Die im Jahre 1924 in Warschau geborene Mascha Putermilch ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Leider sind die stillen Helden des Naziwiderstandes heutzutage oftmals zu unbekannt und vielerseits keine Story mehr wert. Bei Mascha Putermilch war das etwas anders, denn bis zu ihrem Tode arbeitete sie für verschiedene israel. Holocaust - Institutionen und war ein lebendes Denkmal der "Vereinigung der Ghettokämpfer".

Schon im Alter von 19 Jahre stellte sich Mascha deutschen Panzer bei der Erstürmung des Warschauer Ghettos entgegen und warf Molotow - Cocktails. Als sie einmal einen deutschen Soldaten erschoß, schaute dieser sie in seinen letzten Augenblicken an und sagte, dass er nicht glauben könne ausgerechnet durch die Hände einer Frau zu sterben.

Im letzten Moment gelang es Mascha und einigen anderen dem Ghetto durch das Abwasserkanalsystem zu entfliehen. Sie schlossen sich polnischen Partisanen an und zu der Zeit heiratete sie ihren Mann Yaakov Putermilch. Nach dem Kriege wanderten sie beide nach Israel aus, wo sie zuerst im Kibbutz Dafna lebten. Später zogen sie nach Tel Aviv und bekamen zwei Töchter. Obwohl Yaakov 1984 verstarb, wurde Mascha nicht müde, sich für Holocaust - Überlebende einzusetzen.

Diese Woche verstarb die stille Heldin des Warschauer Ghettos in Israel. Sie hinterlässt zwei Töchter, vier Enkel und viele Urenkel. Ihre Töchter nennen sie "den Stolz der Familie".

Umbruch in der Gesellschaft

B"H

Sekulären Israelis fällt es kaum auf, dass sich etwas tut. Nationalreligiöse Israelis machten lange Zeit auf Friede, Freude, Eierkuchen, aber auch die Zeiten sind vorbei. Die grosse Frage ist: Wie soll es weitergehen mit der nationalreligiösen Gesellschaft ?
Driften einige Mitglieder in die eher sekuläre Schiene ab und andere wieder in das haredische (ultra - orthod.) Lager ? Aber wenn ja haredi, dann bittschön "soft". Die fundamentalistische Welle muß ja nicht gleich sein.

Haredische Zeitungen machen schon lange Stimmung gegen die Nationalreligiösen. Früher hatten die Mizrachisten (Natioalrelig.) wenigstens noch Prinzipien und Ideale, aber die seien schon lange futsch. Und so duseln sie so vor sich hin und kriechen sogar halblinken Politikern hinterher.

Es ist richtig, dass die nationalrelig. Partei MAVDAL nicht mehr das ist, was sie einmal war. Bei den letzten Knessetwahlen schlossen sie sich mit einer weiteren Rechtspartei "Ichut HaLeumit" zusammen, um so mehr Wählerstimmen einzufangen. Teilweise gelang ihnen das und statt der obligatorischen fünf Sitze gab es acht. Aber seitdem ist auch Schluss mit lustig und wenige Ergebnisse sind zu vermelden. Mal in der Regierung, dann wieder in der Opposition und am vergangenen Sukkot (Laubhüttenfest) Anfang Oktober wurden sogar die christl. Missionare auf dem Jerusalem Marsch in Schutz genommen.

Keine Ideale, keine Nichts mehr. Das Versagen begann mit der Räumung Kush Katifs und zieht immer weitere Kreise. Selbst ihre Mitglieder laufen ihnen davon und wer heute mit den Nationalreligiösen spricht, der hört vielmals nur Enttäuschungen. Die Folge ist, dass die Mizrachisten lieber daheim sitzen und sich dem Privatleben widmen anstatt auf irgendwelche Demos zu traben. Und immer mehr kommt der Ruf gegen den sekulären Staat und die relig. Parteien, die sich dem Sekularismus unterwerfen.
Apathie macht sich breit und man zieht es vor, sich auf den Meschiach zu konzentrieren. Dann nämlich wird alles anders und wir können wieder aufleben. Haben radikale Haredim vielleicht doch recht ?

Obwohl nach wie vor Tausende nationalrelig. Jugendliche die Israelflagge schwenken, wissen viele seit der Räumung vieler Siedlungen eigentlich nicht mehr warum. Wozu noch den Unabhängigkeitstag feiern ? Die Regierung will uns ja doch nicht.
Und so ziehen sich die Nationalrelig. in ihre eigene kleine Welt zurück und ihre führenden Rabbiner befürchten sogar, dass ihre Schäfchen zu den Haredim abwandern.
Nicht alle Haredim sind antizionistisch eingestellt, doch sehen sie den Staat mit gemischteren Gefühlen. Hinzu kommt, dass viele von ihnen keine israel. Staatsbürger sind, sondern demonstrativ ihre englische, amerik. oder schweizerische behalten.

Aber auch unterhalb der Haredim gibt es Zoff. Wie gewohnt bekämpfen sich die sephardischen mit den aschkenazischen Haredim. Die aschkenazische Yahadut HaTorah - Partei gegen die Marrokaner von SHASS. Shass sitzt in der Koalition und macht sich richtig schön breit, um staatl. Subventionen für die hauseigenen Yeshivot (relig. Schulen) einzustreichen. Aber das Wettern gegen Shass seitens der Yahadut HaTorah begann erst so richtig mit der Ankündigung Eli Yishais (Shass), dass seine Partei einem schriftlich verfassten Grundgesetzes zustimmen wird.

Israel ist eines der wenigen Länder auf der Welt, welches kein schriftl. Grundgesetz hat und bisher immer der Oberste Gerichtshof die Grundgesetze verwaltete. Das soll sich nun ändern und Shass ist dabei. Ganz im Gegensatz zur Yahadut HaTorah, welche die Thora einführen will. Tja, Shass macht halt alles mit, wenn die Kasse stimmt.

Und derzeit sind die aschkenasischen Haredim die einzigen, die nicht ziellos wirken. Immer gerade durch, egal, was kommt. Und es bleibt zu hoffen, dass die Nationalreligiösen auch wieder irgendwo ihre Mitte finden.

Wer an den eigentlichen Gründen des Antizionismus interessiert ist, der kann ab Sonntag einige Artikel auf meinem relig. Blog lesen.

Dienstag, 6. November 2007

Eine Ausstellung anderer Art

B"H

In der Tel Aviver Ibn Gavirol Street ist eine neue Ausstellung angelaufen. Gezeigt wird eine eigens eingerichtete Wohnung. Diese Modell - Wohnung zeigt Menschen (Skulpturen) aus Israels Norden während eines Bombenangriffes der libanesischen Hizbollah während des zweiten Libanonkrieges.

Organisiert wurde diese Ausstellung vom israel. Trauma Center NATAL. Natal hilft Trauma - Patienten von Krieg und Terror. Holocaust - Überlebenden wird genauso geholfen wie israel. Soldaten oder Zivilisten. Vor mehr als zehn Jahren gegründet, half Natal zuerst Soldaten aus dem Yom Kippur Krieg, ihre Traumata zu überwinden. Ganz aktuell hat Natal ein mobiles Einsatzfahrzeug in der Stadt Sderot aufgestellt. Seit Jahren wird Sderot von Kassam - Raketen aus dem benachbarten Gaza beschossen und bisher verliessen 3000 Einwohner die Stadt.

Teilweise finanziert wird das Projekt vom amerikan. Hollywood Regisseur Steven Spielberg. Mehr als 70 Mitarbeitern helfen Betroffenen über ihre Erlebnisse zu sprechen und sie zu verarbeiten. Leider gehen gerade in Israel die Patienten niemals aus, denn wir leben in einem Land mit allgegenwärtigen Traumata.

Mehr Infos gibt es hier:
http://www.natal.org.il/eng/eindex.aspx

Sind die Fans eine Gefahr für die Demokratie ?

B"H

Beitar, Beitar, Beitar und kein Ende.
Die Presse fällt heute ausgiebig über den Jerusalemer Erstligisten Beitar Yerushalaim her. Bei einem Fußballspiel gegen Maccabi Haifa kam es seitens der Beitar Fans zu Ausfällen gegen die israelische Demokratie. Bei einer Schweigeminute (für einen in Tel Aviv ermordeten Jugendlichen sowie zur Erinnerung an den 12. Jahrestag der Ermordung Yitzchak Rabins) vor dem Anpfiff, rasteten die Jerusalemer Beitar Fans aus und gröhlten gegen Rabin was das Zeug hielt.

Die Linken stürzen sich wie gewohnt auf die Rechten und sehen ihrerseits eine "neue" Gefahr aufkommen. Der Geist der Mörders Yigal Amir spuke durch die Gesellschaft; und das mehr als zuvor. Wer jedoch dagegen mit vielen Beitar Fans spricht, der hört natürlich ganz andere Meinungen. In Jerusalem braucht niemand lange herumzusuchen, um mit Beitar Fans in Kontakt zu kommen. Man gehe nur auf den Machane Yehudah Markt und rede mit den Händlern.
"Was soll der ganze Aufstand ? Wer hat denn genau geschrien ? Jugendliche im Alter von 15 oder 16.
So what" ?

Soll deswegen gleich ein ganzer Fußballclub bestraft werden ?

Der israel. "DFB" sagt JA und will Beitar wegen der Fan - Ausraster zur Verantwortung ziehen. Geplant ist, die Mannschaft demnächst ein Heimspiel in einem leeren Station spielen zu lassen. Wenn nicht noch mehr Sanktionen hinzukommen.

Die linksgerichtete Tageszeitung HAARETZ nennt in ihrer heutigen Ausgabe die ausgerasteten Beitar Fans "Die 1000 Kinder Yigal Amirs" in Anspielung auf dessen neugeborenen Sohn. Eine Übertreibung ?

Führende linke Politiker wie Ehud Olmert sehen sich in der gleichen Gefahr wie seinerzeit Yitzchak Rabin. Flugs tauchten in Jerusalem Poster auf (u.a. im relig. Stadtteil Har Nof), auf denen Shimon Peres als Araberpräsident beschimpft wird. Drucken ließ die Poster der Rechtsaktivist Baruch Marzel, der sich auch für eine Freilassung Yigal Amirs einsetzt.

Die Linke sieht sich in Gefahr zu verlieren. Jahrelang beanspruchte sie das Rabin - Gedenken nur für sich und schloß generell alle Religiösen aus. Das passe schlecht ins Bild. Die Rabin Tochter, Daliah Rabin Pelosof, samt Anhang würde Amir am liebsten hinrichten lasse. Kopf ab und es herrscht Ruhe.
Doch so einfach ist das nicht. Auch ein Mörder hat Rechte und die Linke, welche so auf die Gesetze pocht, muß dies anerkennen. Aufregung hin oder her. Der eigentliche Sieger heißt seit Jahren Yigal Amir. Sein Bild erscheint häufiger als das von Rabin und gerade jetzt, wo Tausende Beitar Fans sich auf seine Seite katapultierten, hat er einen Grund zum Feiern.

Das Schlimmste an der ganzen Affäre ist für mich Amirs eiskalte Berechnung, seinen Sohn folglich des Datums zum Rabin - Gedenken zu zeugen. Nicht nur die Presse macht das Baby zum Politikum, sondern Amir tut dies seinem Sohn selbst an.

Montag, 5. November 2007

Ist Beitar zu rechts ?

B"H

Alles redet heute über Fußball, doch geht es keinesfalls um irgendein Ergebnis. Sieger und Verlierer sind uninteressant.

Die rege Berichterstattung hat jedoch eine Vorgeschichte. Da ist zum ersten der 12. Jahrestag des Mordes an Premier Yitzchak Rabin, da ist die Tatsache, daß sein Mörder Yigal Amir die Brit Milah (Beschneidungszeremonie) seines acht Tage alten Sohnes feierte, des Weiteren ist Condoleeca Rice in Jerusalem ist und zu guter Letzt fand auch noch ein Fußballspiel der Rivalen Maccabi Haifa und Beitar Yerushalaim statt.
Aber der Reihe nach.

Selbst Tage nach den offiziellen Gedenkfeiern an die Ermordung Yitzchak Rabins im November 1995, läßt uns das Thema nicht los. Immer noch sind heiße Diskussionen im Gange, wer woran schuld hat. Die Linken incl. unsere Regierung sind der Meinung, daß alles nur die Schuld der Rechten sei. Auch heute wieder, denn ganz heimlich sind die gleichen Poster aufgetaucht, welche schon vor zwölf Jahren an den Wänden hingen. Damals zeigten sie Rabin (heute Shimon Peres) mit einem Palituch (Khafiyeh) auf dem Kopf als Zeichen dafür, daß sich der Premier in zuviele Zugeständnisse den Palästinensern gegenüber einließ. Das Ergebnis sahen wir tatsächlich wenige Jahre später als die Palis mit den israel. Waffenlieferungen auf Israelis schossen anstatt den eigenen Terror zu bekämpfen.

Derzeit sind neue Zugeständnisse geplant und sogar Jerusalem soll aufgeteilt werden. Übrigens hatte selbst Rabin zu seiner Zeit solch ein Vorhaben strikt abgelehnt. Zu riskant und am Ende verbündet sich der ewig jammernde Abu Mazen wieder mit der Hamas und alle dürfen raten, was dann wohl passiert. Aber Olmert, der sich gern weltgewand gibt, ist alles andere, nur nicht intellektuell und sicherheitserfahren.

Condoleeca Rice trudelte gestern ein und noch heute sieht man sie durch die Stadt geistern. Mit Zimmerblick auf die Altstadt (sie nächtigt im David Citadel Hotel) sollte ihr eigentlich klar werden, was sie der Stadt antut. Aber wer weiß, vielleicht hat sie gar keine Zeit, um aus dem Fenster zu schauen Ihre Security Guards jedenfalls sind ständig damit beschäftigt, ihre Koffer vor dem Hotel auf und ab zu rollen. Klamotten hat sie für die paar Tage jedenfalls genügend dabei.

Gestern Abend traf sie sich in der Agron Street mit Ehud Olmert. In der Strasse steht das gut bewachte Amerikanische Konsulat und beide diskutierten auch über Jerusalem. Die Rechten (meistens Nationalrelig.) standen draußen und demonstrierten. Polizei und Grenzpolizei hatten alle Hände voll zu tun und die Demonstranten machten mit ihrem Geräuschpegel auch der Condoleeca klar, daß hier noch gar nichts entschieden ist.

Aber es ging nicht nur um Jerusalem, sondern Olmert stimmte abermals einer Freilassung von mehreren Hundert Palästinensern zu. Bei den vielen Freilassungen haben wir alle schon längst den Überblick verloren und wissen nicht mehr, wer da eigentlich genau auf freien Fuß kommt. Terroristen mit Blut an den Händen oder nicht ?

Wen interessiert das denn noch groß, wenn alles nur auf Yigal Amir schaut ?

Amir der ewige Sündenbock, der einen Mann (den Premier) erschoß. Was aber ist mit all den freizulassenden Terroristen, die viele israelische Menschenleben auf dem Gewissen haben ?
Sie schossen wahllos auf Juden und sprengten alles in die Luft, was ihnen in die Quere kam. Aber zu dem Thema will Olmert "seinen guten Willen zeigen". Hoffentlich zeigt Abu Mazen auch etwas von seinem Willen, sonst geht in kurzer Zeit der Schuß nach hinten los.
Dann wird verkündet werden, daß Olmert von nichts wußte und wenn wir Glück haben und nicht selbst in die Luft geflogen sind, lesen wir in der Presse einen neuen Winograd - Bericht über ein weiteres Totalversagen der Regierung Olmert. Aber keine Sorge, Ehud weiß sich da schon zu helfen. Schnell abermals verkündet, daß er Prostatakrebs hat und ordentlich jammern, dann steigt die Beliebtsheistskala wieder. Oder der Winograd - Bericht wird gleich ganz blockiert, wie schon der jetzige über das Versagen im zweiten Libanon - Krieg.

Aber nicht nur die Unwissenheit der Condoleeca ist das Thema; nein, gestern feierte die Familie Amir die Brit Milah (Beschneidung) des Neugeborenen. "Yinon Eliah Shalom" heißt das Kind von Yigal Amir und Larissa Trimbovler. Die Feier wurde im Knast abgehalten, allerdings hatte man eigens ein kleines Zelt im Grünen aufgebaut, damit ein Hauch von Festlichkeit aufkam.

Neue Spekulationen lieferte die Presse gleich mit: Der kleine Bruder Yigals, Amitai (21 Jahre) soll eine Romanze mit der Tocher Larissas (aus ihrer ersten Ehe) haben. Die Tochter heißt Shlomit und ist 15 Jahre alt. Bestätigen wollte die Richtigkeit der Meldung aber niemand.

Die Beschneidungsfeier dauerte ganze 15 Minuten und dann mußte Vater Yigal wieder zurück in die Zelle.

Abends kam es neben der Demo gegen Condoleeca zu einer Sensation, von der heute jeder spricht. Unser lokaler Fußballclub Beitar Yerushalaim spielte im Haifaer Kiryat Eliezer Stadion. Vor Spielbeginn gab es eine Schweigeminute für einen in Tel Aviv ermordeten Jugendlichen und eben wieder einmal Yitzchak Rabin. Der Name Rabin brachte die Beitar - Fans zur Weißglut und sie buhten während der Schweigeminute. Geschwiegen wurde also nicht, sondern randaliert. Rabin sei Müll.

Heute schreien führende Politiker nach einer Verbannung Beitars aus der ersten Liga.

Wer sind die Beitar - Fans eigentlich ? Natürlich ist allseits bekannt, daß Beitar viele SHASS - Anhänger hat. Insbesondere sephardische Haredim (Ultra - Orthod.) gehören zum Hardcore der Fans. Besitzer des Clubs ist der russisch - israel. Milliardär Arkadi Gaidamak, und der entschuldigte sich heute für die Fans.

Geschrei hin oder her, die Linken haben wieder ihr Fressen gefunden. Erst bringt Yigal Amir (auch sephardischer Jude) Rabin um und jetzt schreien die religiösen Fußballfans umeinander. Der böse Geist sei immer noch wach, so philosophierte Olmert, ohne zur Kenntnis zu nehmen, daß er daran nicht ganz unschuldig ist.

Die Bevölkerung selbst hat sich schon lange vom Geschehen verabschiedet. Rice, Olmert, Amir, wer will das wissen außer der Presse. Auf das Fußballspiel aber hatten sich viele gefreut, vor allem die Sepharadim. Und nun ist das auch noch zum Politikum geworden. Noch nicht einmal im Wohnzimmer hat man seine Ruhe.

Wen es interessiert: Das Spiel zwischen Beitar und Haifa endete 0:0.

Sonntag, 4. November 2007

Das überflüssige Monster

B"H

Warum wir ausgerechnet in Jerusalem solch ein unförmiges weisses Monster brauchen, habe ich nie verstanden. Nicht nur ich, sondern es entstand eine eigene Bürgeninitiative, welche den Monsterbau verhindern wollte. Ohne Erfolg.

Seit vielen Monaten wird gebaut. Zuerst wurden riesige Löcher auf beiden Strassenseiten der Zalman Shazar, der Einfahrtsstrasse nach Jerusalem, gegraben. Jetzt sieht man einen gigantischen Kran, der die häßlichen weissen Bauteile umherschiebt.

Die Rede ist von der neuen Brücke, welche Jerusalem neben San Francisco und der Brooklyn Bridge zum Wahrzeichen der Welt machen soll. Auf der Skizze des Architekten war eigentlich alles ganz nett anzuschauen. Als ich jedoch die weissen Bauteile sah, dachte ich vor Schreck, daß es sich bei ihnen bestimmt nur um ein Provisorium handele. Wie ekelhafte lange Schläuche ziehen sich die Bauteile durch die Luft.

Es kann ja durchaus sein, daß zum Schluß alles ganz toll aussehen mag, aber bis dahin rechnet uns die Anwältin Schlomit Rubin die Kosten für den Steuerzahler vor. In ihrem Bericht ist die Rede von einem unvorhergesehenen Kostenanstieg und die damit verbundene Verschwendung von Steuergeldern. Innerhalb der letzten fünf Jahre haben sich die Kosten von den ursprünglich vorgesehenen 71 Mio Shekel (14 Mio Euro) auf 246 Mio Shekel (ca. 50 Mio Euro) verdreifacht. Und noch ist kein Ende in Sicht.

Und was passiert, wenn die Brücke fertiggestellt ist ? So wie es aussieht, ist sie ausschließlich für Fußgänger gedacht, welche die Shazar dann in Richtung Zentralen Busbahnhof und Sderot Herzl überqueren können. Der Vorteil wäre, daß die bisherigen schrecklichen drei Ampeln auf den verdienten Müll geworfen werden könnten, denn um diese zu überqueren, muß man schon gut zufuß sein und die Straße im Laufschritt überwinden.

Aber wozu braucht ausgerechnet unsere Stadt solch ein Wahrzeichen ? Haben wir nicht schon genügend andere ? Die gesamte Altstadt incl. Kotel (Klagemauer) ist doch schon Wahrzeichen genug. Keine andere Stadt auf der Welt kann da mithalten. Sogar Disneyland dachte darüber nach, unsere Altstadt im Vergnügungspark originalgetreu nachzubauen.

Jahrelang tat sich gar nichts in bezug auf Modernisierung unserer Stadt und wenn wir ehrlich sind, dann sind wir auf den eigenen Stil Jerusalems sehr stolz. Nichts haben wir gemein mit dem verbauten kalten Tel Aviv. Nein, bei uns herrscht die heimische Atmosphäre und unsere Mentalität mag von vielen als konservativ verspottet werden. Insgeheim aber sind die Tel Aviver neidisch auf uns Jerusalemer und unsere Gemütlichkeit, denn wir hecheln nicht wild durch die Stadt, immer auf der Suche nach neuer Action.

Aber offensichtlich hat sich Bürgermeister Uri Lupolianski zu höheren Spären überreden lassen. Entweder zieht die Modernisierung ein oder wir werden zum Kaff degradiert. Straßen wurden umgewälzt und die Jaffa auf der Höhe des Machane Yehudah Marktes um ein Vielfaches verbreitert. Zugegeben, dies geschah ohne daß vorhandene Gebäude grossen Schaden erlitten. Die Straßenbahn kommt und Schienen werden schon fleissig verlegt.

Obwohl sich Jerusalem nicht unbedingt eine Straßenbahn leisten kann, garantiert sie doch, daß die luftverpestenden Busse endlich die Innenstadt räumen und so mehr Fußgängerzonen eröffnet werden. Die Jaffa soll verkehrsfrei und mit Grünanlagen ausstaffiert werden. Ganz wie in der Vergangenheit zur Jahrhundertwende.

Aber was machen wir mit der weissen Brücke an der Stadteinfahrt ? Soweit macht sie nur den Eindruck eines ekelhaften Betonklotzes, der Jerusalem in die Protzigkeit drängen könnte. Zu uns Einwohnern paßt die Brücke jedenfalls nicht, denn wir sind rustikaler als sie.

Samstag, 3. November 2007

Rabin - Gedenkfeier in Tel Aviv

B"H

Zur Stunde findet auf dem Tel Aviver Rathausplatz eine Gedenkveranstaltung zum 12. Jahrestag der Ermordung des Premier Yitzchak Rabin statt.
Unter den Anwesenden sind der Jerusalemer Buergermeister Uri Lupolianski, Verteidigungsminister Ehud Barak, Praesident Shimon Peres, die Kinder Rabins - Yuval Rabin und Daliah Rabin Pelosof sowie die israel. Saenger Sarit Hadad, Aviv Gefen, Shlomi Shabbat, Ran Danker und viele andere.

Mehrere Hunderttausend Menschen sind auf dem Rathausplatz versammelt



Daliah Rabin Pelosof bei ihrer Rede

Freitag, 2. November 2007

Räumung ohne Gnade

B"H

Es ist weiss G -tt nichts Ungewöhliches in Israel, auch wenn einige Fälle hier und da in der Lokalpresse Erwähnung finden.

Wer seine Miete nicht zahlen kann, wird gnadenlos geräumt.
Bestes Beispiel hierfür ist die alleinstehende Mutter von vier Kleinkindern, Ilanit Sticka aus Jerusalem. Am letzten Montag Morgen standen plötzlich vier Männer vor der Tür der Stickas im Stadtteil Gilo. Ein Polizist und drei weitere Amtspersonen. Sie kamen, um die Stickas samt Habe auf die Strasse zu setzten, da die Familie einige Monate lang die Miete nicht hatte aufbringen können.

Laut Aussage von Mutter Sticka und deren 13 - jahre alten Sohn warfen die Amtspersonen die Mutter auf den Boden. Die Polizei jedoch liess später erklären, dass die gesamte Familie die vier Männer angriff und ihnen den Zutritt verweigern wollte.

Nach ein paar Stunden fand sich Familie Sticka auf dem Gehsteig wieder und wurde von einer hilfsbereiten Familie vorerst in einem Dorf untergebracht. Die Stickas haben 200.000 Shekel (40.000 Euro) Schulden und drehen sich schon seit Jahren durch die Behoerdenmuehlen.

Sie sind kein Einzelfall, denn in Israel ist das Mietrecht am Hinterherhinken. Es gibt sogar Mietverträge, in denen der kleingedruckte Satz steht, dass es einem Mieter seitens des Vermieters untersagt ist, einem Mieterverein anzugehören. Solch ein Vertrag ist sittenwidrig, doch die wenigsten gehen dagegen an, denn Wohnungen sind rar und teuer. Und wer nicht spurt, dem droht sofortige Räumung.

Mietverträge werden in der Regel nur für ein Jahr abgeschlossen und danach verlängern beide Parteien oder auch nicht. Und so steigt jeden Sommer wieder in den Monaten Juni - September die grosse Wohnungssuche, denn die Mehrzahl der Verträge läuft in jenen Monaten aus, was jedesmal zum Suchchaos führt.

Ehrlich gesagt habe ich noch nie so gierige Vermieter erlebt wie in Israel. Viele Verlangen mehrere Monatsmieten im voraus, Zeugen, die den Vertrag mitunterschreiben und im Falle des Mietausfalles einspringen und Gehaltsabrechnungen muessen vielseits ebenso vergezeigt werden. Das Positive ist, dass Israel kein kinderfeindliches Land ist und auch kinderreiche Familien gute Chancen haben. Als ich Freunden erzählte, dass es in deutschen Wohnungsinseraten oft heisst: "Haustiere ja, Kinder nein", war man entsetzt.

Familienfeier eines Mörders

B"H

Das Bezirksgericht Tel Aviv unter dem 61 - jährigen Richter Zvi Gurfinkel schrieb gestern Geschichte. Richter Gurfinkel entschied, dass der Mörder des Premier Yitzchak Rabin, Yigal Amir, an der Brit Milah (Beschneidungszeremonie) seines Sohnes teilnehmen darf.

Besondere Brisanz liegt allein schon im Datum der Brit - Feier, denn diese soll am kommenden Sonntag, dem 4. November stattfinden und genau an jenem 4. November vor zwölf Jahren wurde Rabin von Amir ermordet.

Das Bezirksgericht entschied, dass die Brit Milah im Gefängnis stattfindet, denn Yigal Amir hat kein Recht auf Ausgang. Die Begründung des Richters Gurfinkel lautet:

"In zwei Wochen darf das neugeborene Baby seinen Vater eh im Knast besuchen und es gibt keinen Grund dafür, warum er das nicht schon jetzt kann".

Yigal Amir und Family feierten den Richterspruch. Ganz zum Unbehagen der Rabin - Tochter, Daliah Rabin - Pelosof. Heute wurde gegen den gestrigen Richterspruch Einspruch beim Obersten Gerichtshof eingelegt. Das Urteil ist dringend, denn Sonntag soll die große Knast - Feier sein.

Unter anderem will man verhindern, dass Yigal Amir seinen persönlichen Triumph ausnutzen kann und außerdem wird eine Welle von Neuanfragen weiterere Sträflinge befürchtet, die aufgrund des Richterspruches auch private Familienfeiern in Knast zelebrieren wollen.

Rabin, Y. Amir......

Wer denkt eigentlich an den wenige Tage alten Sohn Amirs, der einfach so auf die Welt kam und gar nichts für seine Eltern kann ? Bei soviel Pressewirble täte ich schnellstens meine Sachen packen und ins Ausland abhauen. Vielleicht wird der Sohn dies einmal tun, sobald er älter ist.

Hier ein ganz aktueller TV - Bericht auf www.nana10.co.il, allerdings nur in hebräischer Sprache:

http://news.nana10.co.il/Article/?ArticleID=520490&sid=126

Donnerstag, 1. November 2007

Souvenirs der dritten Generation

B"H

Überall auf der Welt wird es so sein, doch Details kenne ich nur aus Israel.
Bei der Musterung für den Armeedienst wird auch darauf geachtet, welcher zukünftige Soldat mit welcher Intelligenz oder anderen herausragenden Charaktereigenschaften ausgestattet ist.

Daher haben stimmte Armeeeinheiten in Israel einen gewissen Ruf weg. So wissen wir, daß die Piloten überwiegend aschkenazischer nichtrelig. Herkunft sind. Die Magavnikkim, die Grenzpolizisten, nicht gerade die tollsten Intelligenzbestien sind und das gleiche trifft auch im weiten Sinne für die Elitekampfeinheit "Golani" zu.
Aber jede Armee, egal in welchem Land, braucht auch so etwas wie einen "Haudrauf", der keine unnötigen Fragen stellt, sondern zur Tat schreitet. Und vor allem die Magavnikkim sind hierfür bestens bekannt.

Golani, andererseits, ist die ewig skandalträchtige Truppe. Mutig sind sie, denn wenn ihnen etwas nicht passt, dann streikt schonmal die gesamte Kompanie (Gadur). Derzeit befinden sich einige Golani - Einheiten in Gaza, wo gegen jene Hamas - Terroristen vorgegangen wird, die unentwegt Kassam - Raketen auf Sderot abschiessen.
Im Ausland ist es anscheinend keine Schlagzeile wert, doch Sderot befindet sich nach wie vor im Ausnahmezustand.

Wer nach Gaza einmarschiert, der braucht eine gehörige Portion Mut. Tretminen, getarnte Terroristen, alles ist vertreten. Und wer nicht höllisch aufpasst und sich einmal zu weit von der eigenen Truppe entfernt, der kann theoretisch einigen Hamas - Terroristen gegenüberstehen und gekidnappt werden. Siehe Gilad Shalit.
Keine leichte Aufgabe also und deshalb braucht man einen Haudrauf wie Golani. Sogleich wurden in Gaza einige Terroristen dingfest gemacht. Zum Beispiel versuchten zwei Terroristen der Truppe nahe zu kommen und ein paar Handgranaten in die Menge zu werfen. Golani fackelte nicht lange und erschoss die Terroristen.

Soweit lief alles nach Plan. Doch was dann folgte etwas, was nun wieder einen neuen Skandal mit sich zieht. Die Nation ist geschockt.
Soldaten, ausgerüstet mit den allerneuesten Handys der "dritten Generation", photographierten die erschossenen Terroristen und schickten die Photos an Freunde weiter. Es gebe niemanden in der Kompanie, der keine Photos gespeichert habe. Gerne wird diese Art der "Souvenirs" auch im eigenen PC als Bildschirmschoner verwendet.

Die großen Aufregungen verstehe ich allerdings nicht. Ist nicht eh schon das Elend der Welt überall auf Youtube zu begutachten ? Eine Schmerzgrenze scheint es in der heutigen Zeit eh kaum noch zu geben.

Zurück zum Kikar

B"H

Am kommenden Samstag Abend, (Mozzaei Shabbat), 3. November, findet um 19.30 Uhr (Ortszeit) eine Gedenkveranstaltung zum 12. Jahrestag des ermordeten Ministerpräsidenten Yitzchak Rabin statt.
Ort: Kikar Rabin in Tel Aviv.

Dem weltlichen Kalender zufolge wurde Rabin am 4. November vor zwölf Jahren hinter dem Tel Aviver Rathaus erschossen. Auf der Frontseite fand eine riesige Friedensdemo mit mehreren Hunderttausend Menschen statt. Nach dem Tode Rabins bekam der Rathausplatz den Namen "Kikar Rabin - Rabin Platz".

In der israelischen Lokalpresse genauso wie in der ausländischen Presse werden dem Mörder Yigal Amir gerne relig. Gründe untergeschoben. Ein relig. Fanatiker habe den Mord im "Namen G - ttes" durchgeführt.

Derlei Darstellung ist komplett falsch, denn obwohl sich Amir auf relig. Motive beruft, hat das relig. Judentum an sich nichts mit seinen Motiven gemein.


Der Tel Aviver Rathausvorplatz in der Ibn Gavirol Street



Das Rabin - Denkmal hinter der Rathaus