Donnerstag, 17. Juli 2008

Hassan und seine kleinen Nasrallahs

B"H


Erwies sich der Deal mit der Hizbollah für Israel als "Rip Off" ? Zog die Hizbollah Israel über den Tisch ?

Auf den ersten oberflächlichen Blick mag man das so sehen, doch ist die Mehrheit in Israel froh über den Deal. Oder um es mit den Worten des Vorsitzenden der sephardisch - haredischen SHASS – Partei, Eli Yishai, zu sagen:

Man wollte auf alle Fälle einen neuen Fall "Ron Arad" vermeiden.

Und dem kann ich nur zustimmen. Es reicht, wenn wir keine genauen Infos über Ron haben. Auch jetzt nach dem aktuellen Deal nicht, obwohl dies eigentlich eine der israelischen Bedingungen war. Die Hizbollah jedoch überreichte ein Papier mit ein paar formellen Infos. Oder kurz gesagt:
"Ron Arad sei bei einem Fluchtversuch erschossen worden".
Auf der Flucht erschossen also. Diese Aussage kommt mir bekannt vor und erinnert mich jedesmal wieder an die Nazizeit. Dort wurde man auch einfach einmal so auf der Flucht erschossen und dann auf nimmer Wiedersehen verbuddelt oder doch lieber gleich verbrannt.

Trotzdem es in Israel eine riesige Diskussion um die Freilassung des liban. - drusischen Mörders Samir Kuntar gab, sprachen doch die Stimmen für einen Austausch. Und somit kamen, wie fast erwartet, zwei Särge heim und Kuntar darf am 20. Juli seinen 46. Geburtstag in Freiheit feiern. Seine gestrige Freilassung wurde auf fast allen arabischen TV - Kanälen live übertragen. Einschließlich Al - Jazeera.

In der arabischen Welt stieg Kuntar zum großen Held auf. Aber für was ? Dafür das er als 16 - Jähriger mit einem Boot nach Israel kam und dort wild um sich ballerte ? Zuerst erschoß er den Polizisten Eliyahu Shachar und danach drang er in das Haus der Familie Haran ein, wo er den Familienvater Dani Haran nebst der vierjährigen Tochter Einat umbrachte.

Die arabische Welt macht also wieder einmal mehr einen Mörder zum großen Helden. Laut einer libanesischen Zeitung soll Kuntar nun der Adjudant Nasrallahs werden, eine geschniegelte Terroristenuniform tragen und eine eigene Waffe erhalten. Auf wen er damit wohl zielen soll ?

Und wir erhielten zwei tote Soldaten in Särgen zurück. Bis zu guter Letzt hatte ich noch Hoffnung gepflegt, dass wenigstens einer der beiden gekidnappten Soldaten noch leben würde. In einem öffentlichen Gebäude fragte ich einen Security – Guard, der gerade am Radio klebte, nach dem Ausgang. Er winkte nur ab. Beide Soldaten seien tot. Überleben ? Wie denn, wenn die Hizbollah erst den Grenzjeep in die Luft jagt, danach zwei schwerverletzte Soldaten herauszieht und ihnen jede ärztliche Hilfe versagt ?

Mit solchen Leuten haben wir es also zu tun. Kuntar schießt wehrlosen Menschen in den Rücken und die Hizbollah läßt Verletzte sterben. Dazu kommt der ehemalige Ministerpräsident des Libanon, Fuad Seniora, welcher der Hizbollah die Feier gönnte und von sich gab, dass Kuntar nun einmal libanesischer Staatsbürger sei.

Wo blieb der vielgepriesene Widerstand der Libanesen ? Es schien als verbrüdere sich das ganze Land mit einem Mörder. Egal wer, Hauptsache es geht gegen Israel. Diese Art des primitiven Denkens ist für uns Israelis nicht nachvollziehbar. Die Araber mögen uns für weinerlich halten, doch steht bei Israelis trotz allem der menschliche Bezug im Vordergrund. Und wir knallen keine eigenen Leute sinnlos ab und feiern Mörder.

Der Libanon jedenfalls hat gestern jegliche Moral verloren.

In Israel herrscht wieder einmal Alarmzustand. Attentate und vor allem neue Kidnappings von Soldaten seien geplant. Schließlich zeige der Deal, dass sich derlei Aktionen auszahlen können. Und der Preis für den in Gaza sitzenden Gilad Schalit schnellt ebenso in die Höhe. Die Hamas reibt sich schon die Hände.

Der ganz große Verlierer ist wieder einmal Ron Arad, der vor mehr als 20 Jahren im Libanon gefangengenommen worden war. Keine Spur von ihm. Wahrscheinlich tot. Bis Ende der 80iger Jahre soll er noch am Leben gewesen sein, denn seine Angehörigen erhielten Briefe von ihm. Danach verliert sich seine Spur.

Wenn er wirklich längst tot ist, welche Torturen mußte er dann in den Jahren der Gefangenschaft über sich ergehen lassen ? Humanität sind dem Libanon oder dem Iran völlig unbekannt. Auf den Photos bzw. einem Video wirkt er nach den Jahren der Gefangenschaft wie ein Häufchen Elend.

Schimon Peres sagte, er habe das Freilassungsformular Kuntars mit einer zitternden Hand unterschrieben. Der Terrorist mag seine erlangte Freiheit feiern, doch wünschen wir ihm für die Zukunft alles Schlechte.

Die Familien Goldwasser und Regev trauern und können danach mit ihrem Leben fortfahren. Leben, und nicht in der Ungewißheit gefangenbleiben.

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