Montag, 11. August 2008

Ist Jerusalem reif für Porush ?

B"H

In Jerusalem geht der Bürgermeister - Wahlkampf um. Vor wenigen Jahren, als der noch amtierende Bürgermeister Uri Lupolianski gewählt wurde, schieden sich schon die Geister. Eigentlich glaubte Lupolianski damals, die haredische (ultra - orthod.) Bevölkerung voll und ganz auf seiner Seite zu haben, doch nichts war es. Die Haredim sehnten sich nicht gerade nach einem "selbsternannten" Haredi, einen, der nicht wie sie haredisch geboren wurde, sondern erst später in seinem Leben religiös geworden ist. Kaum jemand, der im Verlauf seines späteren Lebens relig. wird oder zum Judentum konvertiert und sich entscheidet haredisch zu leben, wird auch tatsächlich von den Haredim anerkannt. Die israel. Realität schaut so aus, dass derjenige stets ein Außenseiter bleiben wird, was sich besonders bei den Schidduchim (Heiratspartnern) bemerkbar macht. Auf dem haredischen Heiratsmarkt werden einem dann nur ebenso Konvertierte bzw. später relig. gewordene angeboten. Ausnahmen gibt es, doch sind sie keinesfalls alltäglich.

Einer der bekannteste Opfer der leider so realen Einstellung anderen gegenüber wurde Bürgermeister Uri Lupolianski. Zusätzlich beschuldigte man ihn von haredischer Seite, er rufe schließlich keine positiven relig. Änderungen in der Heiligen Stadt hervor. Viele Discos, Restaurants und Läden seien nach wie vor am Schabbat geöffnet und was für ein "guter" haredischer Bürgermeister kann soetwas zulassen ? "Nein, er sei keiner von ihnen". Und so kam es einerseits vor, dass die Reifen seines Dienstwagen in Mea Shearim zerstochen wurden, dann wiederum wurde er zu relig. Veranstaltungen der Agudat Israel (weniger extreme chassidische Gruppen wie Vishnitz, Gur, Belz oder litvische Haredim) eingeladen. Insgesamt versucht Lupolianski ein Bürgermeister für alle Bürger zu sein. Einer gewissen Beliebtheit erfreut er sich, wenn seine Amtszeit auch etwas öde sein mag. Farblos halt, aber durchaus tolerant.

Der russische - israelische Milliardär Arkadi Gaydamak möchte gern. Anscheinend sind die Russen immer der Meinung, sie können alles kaufen. Nicht so in Israel und schon gar nicht in Jerusalem. Das Geld wird zwar gerne genommen, aber dann auch "Auf Nimmerwiedersehen". So erging es ebenfalls dem "großen " Gaydamak, der da Tausende von Dollars an Yeshivot spendete, doch im letzten Moment von den Haredim allein gelassen wurde. Wer will auch so einen als Bürgermeister ?
Die größten Chancen hat der Israeli Nir Barkat. Er ist Unternehmer und sitzt seit Jahren im Stadtrat. Außerdem spricht er Hebräisch ohne jeglichen quälenden russ. Akzent. Wobei Gaydamak eh NUR Englisch, Russisch oder Franz. spricht.

Die "Yahadut HaTorah" - Partei kam auf die Idee, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Man wolle endlich einen geborenen Haredi und so sah man in Me'ir Porush den geeigneten Kandidaten. Laut aktuellen Umfragen jedoch würde Porush seinem Konlurrenten Nir Barkat um 20 % unterliegen. Haredische Zeitungen nahmen diese Umfragen geschockt auf, hatte man sich doch schon sicher gefühlt. Jerusalem mag zwar für den liberalen Haredi Lupolianski gewappnet sein, doch Porush ist zuviel. Immerhin besteht die Stadt auch aus Palästinensern, Nationalrelig. und Säkuleren. Ich kenne Porushs Pläne nicht, doch gemäß seiner Partei täten einige Veränderungen im Hinblick auf den Alltag stattfinden und dies sei den nicht - haredischen Bürgern zuviel. Aufgabe eines Bürgermeisters ist es, sich um alle Bewohner zu kümmern und bei Porush hegen wir das Gefühl, das dem nicht so sein wird.

Ehrlich gesagt, kümmert mich das weniger, denn ich nehme nie an der Wahlen zum Bürgermeister teil. Bei einem jedoch sind wir uns alle sicher: Ein Bürgermeister wie der ignorante Teddy Kollek soll nicht mehr her.

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