Sonntag, 5. Oktober 2008

400 neue Karawane !



B"H

In der Presse entsteht meist ein absolut negatives Bild der israelischen Siedlerbewegung. "Mitnachalim" nennt man sie in der säkuleren israelischen Presse, obwohl "Mitjaschwim" eigentlich der richtigere Ausdruck wäre.
Bei jährlichen Umfragen stehen ausgerechnet die Siedler auf der Beliebtheitsskala der heimischen Bevölkerung ganz weit unten. Sogar die Palästinenser sind teilweise noch beliebter als die jüdischen Mitbewohner. Woher kommt das negative Bild der Siedler ?

Zuerst einmal meint die Mehrheit, dass es sich bei ihnen um wirre jüdische Religionsfanatiker handelt. Fundamentalistische Nationalreligiöse, die da um sich kloppen, Hippieklamotten tragen und ihr selbstangepflanztes Essen im Kochtopf wälzen. Viele Kinder, die Frauen im langen Rock a la Heimchen am Herd und der Mann draußen mit der Knarre in der Hand und auf alles schiessend, was sich bewegt. Ob Hirsch oder Palästinenser sei ja egal.



Siedlungen in Samaria (Schomron)


Als vor drei Jahren Gush Katif geräumt anstand, da wurde die Unwissenheit des israelischen Otto Normalverbrauchers besonders deutlich. Man war auch nicht unbedingt an einer Verbesserung des Wissens interessiert.
"Was gehen uns denn die Siedler an ? Sind ja eh nur alles chaotische Irre !"
So lautete die Meinung der breiten Masse aufgeputscht von der säkuleren Presse. Und wer scherte sich dann auch um Gush Katif, wenn doch die Siedlerkinder aus Protest die Zufahrten nach Tel Aviv oder Jerusalem mit Sitzblockaden blockierten. Da kann man ja auch sauer werden, wenn da so ein paar komische Teenies auf der Straße hocken und mir den Feierabend mit einem tüchtigen Stau vergraulen.



Karnei Shomron


Tatsache ist, dass das Land Israel den Juden gehört. Zur Begründung bringe ich die Thora hervor, die da aber anscheinend einigen zu antik bzw. realitätsfremd erscheint. Man erinnere sich: G - tt gab den Juden das Land und wer ein Land besitzt, der darf sich dort niederlassen, wo er will. Er darf dort bauen, wohnen, sich daheim fühlen, wo er will. Oder darf ein Deutscher nicht mehr in Kreuzberg wohnen ?

Juden haben niemanden vertrieben, sondern der Staat Israel wurde aufgrund einer UNO - Abstimmung gegründet. Die arabischen Staaten brachten es fertig, sich selbst ins Abseits zu befördern als sie ihre unablässigen Angriffskriege starteten. Palästinenser nannten sich die Palis erst viel später, denn zuvor waren die Juden die Palästinenser.



Itamar


Israelische Siedler pochen auf ihr Recht, sich niederlassen zu dürfen, wo man will. Dazu sei unser Land schließlich da und man tue nichts anders als die Thora zu erfüllen. Wobei anzumerken ist, dass nicht alle Siedler überhaupt erst relig. sind, denn es gibt genauso zahlreiche säkulere Siedlungen.

Wo komme man denn da hin, sich vorschreiben zu lassen, wo man wohnen darf und wo nicht. Und falls jemand sich weigern sollte, werde er von Terroristen abgeknallt. Die Regierung Olmert betrachtet die Siedler als mehr als nur einen Störenfried. Zur Kadima - Wählerschaft gehören sie eh nicht und was soll man denn jetzt groß irgendwelche Hügel in Samaria (Schomron) oder Judäa besiedeln ? Können sich die Leute nicht wie andere auch in offiziellen Orten wie Efrat, Beit El, Ariel oder im extremen Kfar Tapuach niederlassen ? Reicht das denn nicht schon ?



In Ariel



In Ariel


Die Presse verkündet heute, dass trotz Olmerts Räumungsankündigungen 400 neue Karawane (Wohnwagen) aufgestellt worden sind. Manche Siedlungen bestehen nur aus fünf Wohnwagen, aber man hofft natürlich auf Wachstum. Wer sich heutzutage zum Siedlertum entschließt, der benötigt teilweise eine gehörige Portion Pioniergeist. Nicht nur, dass man vorerst in einem Wohnmobil campiert, nein, gleichzeitig muß auf die Gerätschaften aufgepaßt werden, denn eventuelle nebenan wohnende Palis oder Beduinen sind für ihre Diebstahlaktivitäten bestens bekannt. Hinzu kommt die Gefahr, bei einem Attentat umzukommen. Wer weiß denn schon, wer einen da des nachts auf der Straße überholt und eine Waffe zücken könnte.

Warum begeben sich die Siedler in Lebensgefahr ?
Idealismus ist bestimmt einer der Hauptgründe. Das Land gehört uns, basta.
Weiterhin sind Siedlungen billig und man wohnt günstig. In kleinen Siedlungen kennt jeder jeden und viele Bewohner loben den Zusammenhalt, der in der Stadt wohl kaum mehr zu finden sei. Es herrsche Gemeinschaftssinn und kaum einen Gegeneinander. Außerdem lebt man in der Natur und kein Nachbar quakt einem wegen übermäßigem Lärm die Ohren voll.

In all den Jahren zogen die Siedler ihre eigene Jugend heran, mit der es oft nicht ganz leicht ist, umzugehen oder auszukommen. Als "Taff - tough" werden sie bezeichnet. Manchmal sogar zu selbstbewußt, was wiederum leicht als Arroganz ausgelegt werden kann. Insgeheim kommt es mir sogar oft so vor als sei diese "neue" Jugend zu sehr auf ihre eigene Bewegung ausgerichtet als sich mit einem Tel Aviver zu identifizieren. Wobei der Tel Aviver wiederum keine Ahnung von einer Siedlung hat.

Zwei Faktoren sind für den Unmut der Siedler verantwortlich:
1. Pali - Terroristen.
Aber mit denen hat man mittlerweile gelernt umzugehen. Besonders in Kfar Tapuach läuft heute kaum noch ein Bewohner ohne Waffe herum.
2. Räumungen der Regierung.
Unverständlich erscheint hierbei immer wieder die teilweise schiere Gewalt, mit der meist seitens der Polizei oder der Armee vorgegangen wird. Vielerseits wird verbreitet, dass hierzu Kompanien bestehend aus russischen Neueinwanderern oder Drusen eingesetzt werden. Leute halt, die mit dem Judentum kaum oder gar nichts zu tun haben und die ihre Abneigung eben an den Siedlern auslassen.

Und trotz all der Räumungsdrohungen, den Weiterbau gibt die Siedlerbewegung gewiß nicht auf und die Regierung muß in ihren Ankündigungen der Landabgabe vorsichtig sein. Gush Katif hat noch funktioniert, aber falls Samaria und Judäa aufgegeben werden sollten, stehen viele Tausend Leute auf der Straße und die Siedlergeduld scheint eh schon am Ende. Gebe es etwa Gefahren für einen Bürgerkrieg ? Ideologische Siedler gegen ein paar Haudrauf - Drusen ? Der israelische Geheimdienst ist sich der Gefahr bewußt und spioniert, wo er nur kann. Offiziell läßt man verlauten, dass die extreme Rechte Attentate plane. Stichhaltige Hinweise gab es bisher kaum und oftmals erscheint die Behauptung des Geheimdienstes als viel zu weit aus der Luft gegriffen, nur ein Einschreiten zu rechtfertigen .

Mit ihren 400 neuen Wohnmobilen zeigt die Siedlerbewegung, dass sie noch längst nicht am Ende ist oder es überhaupt jemals sein wird.

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