Sonntag, 8. April 2012

Zuhause oder auch nicht


 Wohnhäuser in Ramat Gan (bei Tel Aviv)

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Wie ich bereits vor einigen Monaten erwähnte: Für einen Israeli ist ein Zuhause extrem wichtig. Das Gefühl zu haben, DAHEIM zu sein. Die Tür aufzuschliessen und in die eigene Privatwelt abzutauchen. Essen kochen, sich auf den eigenen Stuhl bzw. auf die eigene Couch fallenzulassen, und sei es nur, um TV zu schauen. Allein das Gefühl, zuhause zu sein, ist innerlich sehr wichtig und gibt Identität. Ich und meine eigene Identität. Tür zu und Tschüss. 

In Tel Aviv kenne ich recht viele Leute, die kein Zuhause haben und in eingerichteten Obdachlosenheimen oder Hostels leben. Als Kunden kommen sie ab und an vorbei und kaufen einen Kaffee. Jeder mit seiner eigenen Lebensgeschichte im Gepäck und die Mehrheit von ihnen ist über 50 und männlich. Schulden, geschieden, psychische Probleme … die ganze Schose rauf und runter. 

Einige von ihnen sind Neueinwanderer, die es ab einem gewissen Alter nicht mehr packten. Erst ging alles gut und dann kam der Absturz. Unter denen, die ich kenne, ist ein Franzose und längst sind es nicht immer nur die Osteuropäer, die es nicht schaffen, sondern ebenso Neueinwanderer aus westlichen Ländern. 

Oft komme ich nach der Arbeit heim und es dauert eine ganze Weile, bis ich auch gedanklich in den vier Wänden angekommen bin.

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